

Bild: K/Vegpool / Canva
PETA Deutschland hat Höhle Smile Versicherungen im Oktober 2026 den Negativpreis „Speziesismus des Monats“ verliehen. Auslöser war deren Werbespruch „Reh umgefahren. Halb so wild.“
PETA bemängelt, nicht nur einen schlechten Geschmack, sondern eine Haltung. Der Tod eines Tieres würde zur Pointe. Der Wildunfall wirke wie eine flapsige Alltagsszene. Das Reh erscheine nur als Hindernis auf der Straße. (1)
Smile Versicherungen erklärten gegenüber PETA, gemeint sei nur der finanzielle Schaden am Fahrzeug, nicht das Tier oder das Unfallgeschehen. Man empfindet solche Unfälle als schrecklich. Die Werbekampagne ist inzwischen beendet.
Ist die Aufregung über geschmacklose Wortwitz-Werbung gerechtfertigt?
Natürlich gibt es im Tierschutz dringendere Probleme als einen misslungenen Werbespruch. Kein Reh stirbt wegen eines Slogans. Aber Sprache ist auch nicht ganz egal. Werbung presst Haltungen in wenigen Worten. Auf gute und auf schlechte Weise.
Wenn ein Wildunfall zur lockeren Werbe-Pointe wird, zeigt das, wie leicht tierisches Leid verharmlost und ausgeblendet wird. Ein Moment, der für ein Tier größtes Leid bedeutet.
Gleichzeitig sollte man die Sache nicht aufblasen. Die Kampagne ist kein Tierschutzskandal auf einer Ebene mit strukturellen Missständen, wie sie in Deutschland täglicher Alltag sind.
Sie zeigt vielmehr, wie tief speziesistische Denkmuster im Alltag sitzen.
Hunderttausende Tiere sterben im Straßenverkehr
PETA verweist auf die Größenordnung von Wildunfällen. Im Jahr 2023/24 starben in Deutschland über 204.000 Rehe und mehr als 15.000 Wildschweine im Straßenverkehr. Für die Schweiz nennt PETA für 2025 außerdem 7.651 getötete Rehe. Vor diesem Hintergrund wirkt ein scherzhafter Umgang mit solchen Unfällen regelrecht zynisch.
Unterm Strich ist die Aufregung weder übertrieben noch das drängendste Problem der Welt. Aber sie trifft einen blinden Fleck. Sobald Tiere nur noch als „Schadenfall“ oder „Hindernis“ auftauchen, sortiert die Sprache unseres Mitgefühls kurze Hand aus. Obwohl es so dringend gebraucht würde – gerade heute.
Genau darauf basiert PETA mit der Verleihung des Negativ-Preises „Speziesismus des Monats“ ab.
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