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Ordnung im Kühlschrank, kein Aufschieben lästiger Arzttermine, ein fester Sportplan – manchen Menschen fällt das leicht. Andere kämpfen ihr Leben lang dagegen an.
Eine neue Studie in Nature liefert dafür einen Grund: Die Veranlagung zur Gewissenhaftigkeit steckt teilweise in den Genen. Sie hängen mit Bewegung, Rauchen, Gewicht und weiteren Gesundheitswerten zusammen.
Wir zeigen euch die Zahlen dazu – und wie kausal der Zusammenhang wirklich ist.
Was die Studie untersucht hat
Gene beeinflussen offenbar mehr als nur, wie Koriander schmeckt (manche finden, er schmeckt wie Seife) – sie hängen auch damit zusammen, wie gewissenhaft jemand lebt.
Für die Studie bewerteten Schwaba und Kollegen genetische Daten aus 46 Kohorten aus. (1)
Sie suchen Genvarianten, die mit den sogenannten Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale zusammenhängend – darunter Gewissenhaftigkeit.
Daraus berechneten sie, wie stark sich die genetische Veranlagung für Gewissenhaftigkeit mit anderen Merkmalen überschneidet. Dieser Zusammenhang heißt genetische Korrelation, abgekürzt rg.
Eine genetische Korrelation (rg) zeigt, wie stark sich die genetischen Ursachen zweier Merkmale überschneiden. Werte reichen von −1 bis 1. Je näher an 0, desto schwächer der Zusammenhang.
Die Zusammenhänge: Gewissenhaftigkeit und Gesundheitsverhalten
Wer genetisch zu mehr Gewissenhaftigkeit neigte, konsumierte im Schnitt über verschiedene Substanzen hinweg weniger. (1)
Auch bei Bewegung, Gewicht und Krankenhausaufenthalten zeigen sich klare Muster.
| Merkmal | Genetische Korrelation (rg) |
|---|---|
| Substanzkonsum | −0,21 |
| Sportfrequenz | 0,35 |
| Tagesaktivität (Beschleunigungsmesser) | 0,30 |
| Body-Mass-Index | −0,16 |
| Krankenhausaufenthalte | −0,21 |
| Gesundes Alter | 0,14 |
Besonders schlussreich: Ein Beschleunigungsmesser misst die Aktivitätsdaten objektiv, anstatt sie nur per Fragebogen abzufragen. (1)
Das macht die Verbindung zwischen Gewissenhaftigkeit und Bewegung besser nachvollziehbar.
Korrelation oder Kausalität? Wie aussagekräftig sind die Daten?
Eine genetische Korrelation zeigt nur einen Zusammenhang, keine Ursache. Deshalb nutzten die Forschenden zusätzlich die sogenannten Mendelsche Randomisierung. Sie prüfen, ob eine Veranlagung tatsächlich ein Merkmal verursacht.
Die Mendelsche Randomisierung nutzt den Effekt aus, dass Genvarianten bei der Vererbung nach dem Zufallsprinzip weitergegeben werden. Beeinflusst eine Veranlagung ein Merkmal ursächlich, zeigt sich das an einem statistischen Muster – ähnlich wie bei einem natürlichen Experiment.
Die Analysen deuten darauf hin, dass die Gewissenhaftigkeit des BMI sinkt. (1)
Wer genetisch dazu neigt, fängt seltener mit dem Rauchen an, raucht dann auch seltener und landet seltener im Krankenhaus.
Grenzen der Studie
Die Genvarianten erklären nur einen kleinen Teil der Unterschiede zwischen Menschen, nämlich etwa 5 bis 9 Prozent, korrigiert um Messgenauigkeit bis zu 13 Prozent. (1)
Für eine einzelne Person lässt sich daraus keine Vorhersage machen.
Die Forschenden selbst mahnen zur Vorsicht: Weitere Methoden sollen die kausalen Schlüsse künftig bestätigen. (1)
Zudem stammen die Daten überwiegend von Menschen mit europäisch-ähnlichem Genom. Bei anderen Abstammungsgruppen sagen die Genvarianten deutlich weniger zuverlässig voraus.
Auch die Studie selbst betont: Die Umwelt bleibt der wichtigste Einflussfaktor auf die Persönlichkeit.
Vorsicht beim Gen-Verhalten-Zusammenhängen ist grundsätzlich angebracht – ähnliche Debatten gibt es übrigens auch bei der Frage, ob Veganer intelligenter sind.
Kurz: Eure Gene haben einen Einfluss auf euer Verhalten, gleichzeitig seid ihr euren Genen nicht ausgeliefert. Auch bei geringer genetischer Veranlagung zur Gewissenhaftigkeit lässt sich Verhalten ändern – Routinen, Umgebung und bewusste Entscheidungen wirken auch, wenn es euch manchmal schwerer fällt.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig
