

Bild: K/Vegpool / Canva
Wer seine Vitamin-B12-Versorgung sicherstellen möchte, dem wird ein regelmäßiger Bluttest beim Hausarzt empfohlen.
Manche Patienten wollen aber nicht erst auf einen Termin warten oder haben Angst vor der Blutabnahme. Da kommen ihnen online erhältliche Vitamin B12 Selbsttests ganz gelegen.
Doch sind solche Vitamin-B12-Selbsttests eine gute Alternative zum Bluttest beim Hausarzt?
Selbsttests für Vitamin B12 werden im Internet in verschiedenen Varianten angeboten.
- Vitamin B12 Bluttest. Hier werden mit einer Lanzette ein paar Tropfen Blut entnommen und in einem Proberöhrchen ans Labor geschickt. Dort wird in der Regel der Wert Holotranscobalamin („Holo-TC“) untersucht. Ein solcher Blut-Selbsttest für Vitamin B12 kostet ca. 40 Euro. Anbieter sind z. B. Cerascreen oder Lykon.
- Vitamin-B12-Urintest. Dieser Test kommt ohne Nadeln und Blutentnahme aus, denn hier wird einfach etwas Urin ins Labor geschickt. Anders als beim B12-Bluttest wird hier sterben Methylmalonsäure bestimmt. Ein solcher Vitamin B12 Urintest kostet ca. 45 Euro und wird ua von Medivere Diagnostics angeboten.
Es handelt sich um Test-Kits, in denen alle benötigten Utensilien enthalten sind. Nach der Entnahme der Probe wird diese in einem bereits vorfrankierten Umschlag gegeben und ans Labor geschickt. Die Untersuchung erfolgt also erst im Labor, nicht direkt zu Hause.
Nach wenigen Tagen erhält man anschließend den Untersuchungsbericht (und mitunter auch noch Werbung der Anbieter für „passende Produkte“, denn manch ein Anbieter hat nicht nur einen Test im Angebot, sondern gleich auch passend Vitamin B12 Nahrungsergänzungsmittel).
Genau genommen handelt es sich bei den handelsüblichen Produkten auch nicht um echtes „Selbsttests“ (wie z. B. bei einem Schwangerschaftstest), sondern um Sets, mit denen die Blut- bzw. Urinprobe entnommen und ins Labor geschickt werden kann.
Was taugen Selbsttests für Vitamin B12?
Zu einzelnen Tests und ihrer Aussagekraft können wir hier natürlich keine Aussage treffen. Allgemein liegen jedoch die Vorteile des Tests zu Hause darin:
- Man spart sich die Wartezeit auf einen Arzttermin und auch die Zeit im Wartezimmer.
- Man ist generell flexibler und kann den Test auch am Wochenende oder in der Nacht durchführen. (Allerdings sollte die Probe nicht erst Freitags verschickt werden, damit sie nicht tagelang auf der Post liegt).
- Beim Urintest spart man sich außerdem die Blutentnahme und die damit manchmal verbundenen Ängste. Auch beim Vitamin B12 Blut-Selbsttest werden nur ein paar Tröpfchen Blut benötigt (auch weniger als der Arzt normalerweise abnimmt).
Allerdings haben solche Tests auch ein paar grundsätzliche Nachteile:
- Die Probenentnahme wird in der Regel von Laien (nämlich einem selbst) durchgeführt. Dadurch kann es zu Verunreinigungen der Sonde kommen und beim Bluttest theoretisch auch zu Infektionen kommen.
- Die Kosten müssen in der Regel selbst getragen werden. Eine Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung ist eher unwahrscheinlich, selbst wenn der konkrete Verdacht auf einen B12-Mangel vorliegt. Beim Hausarzt besteht zumindest die theoretische Möglichkeit, dass die Kosten aufgrund einer medizinischen Indikation von der Krankenkasse übernommen werden (was aber auch stark von der Einschätzung des Hausarztes abhängt).
- Es ist unwahrscheinlich, dass ein selbst durchgeführter Vitamin B12-Test vom Arzt zur Stellung einer Diagnose anerkannt wird. Im Zweifel wird er einen erneuten, eigenen Test durchführen.
- In der Regel sind Vitamin-B12-Selbsttests teurer als der Bluttest beim Hausarzt als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).
Die handelsüblichen Selbsttests für Vitamin B12 unterscheiden sich aber auch bei den untersuchten Parametern.
Holotranscobalamin (bei Bluttests) gilt grundsätzlich als einer der aussagekräftigsten Werte, um die Vitamin B12-Versorgung zu bestimmen.
Methylmalonsäure – die im Urintest bestimmt wird – gilt als nicht ganz so aussagekräftig, dürfte in den meisten Fällen aber ebenfalls für ein grobes Bild ausreichen.
Gut finden wir, dass die von uns recherchierten Selbsttests nicht bloß das Vitamin B12 im Blutserum untersuchen, denn dieser Wert ist sehr unsicher und kann einen vorliegenden B12-Mangel sogar verschleiern!
Daher raten Experten stets dazu, Holo-TC oder Methylmalonsäure (oder sogar beides) untersuchen zu lassen. Siehe auch: Worauf Sie beim Vitamin B12-Bluttest beim Hausarzt achten sollten.
Für einen allgemeinen Eindruck über die eigene Vitamin B12-Versorgung dürften die gängigen Vitamin B12-Blut- und Urintests bei korrekter Anwendung ausreichen. Wer wirklich sicher auf Nummer gehen möchte, kommt am Besuch beim Hausarzt aber nicht vorbei.
Das gilt insbesondere dann, wenn Es treten Symptome auf, die auf einen Vitamin-B12-Mangel hindeuten könnten.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig
