

Bild: K/Vegpool, KI-generiert
Die Schweizer Wähler haben die sogenannten Ernährungsinitiative bei der Abstimmung am 27. September 2026 abgelehnt.
72,5 Prozent stimmen mit Nein, 27,5 Prozent mit Ja. Die Vorlage scheiterte außerdem am sogenannten Ständemehr. (1)
Die Initiative hatte das Ziel, die Schweiz weniger abhängig von Importen aus dem Ausland zu machen. Während die Schweiz bisher auf vielen Flächen Futtermittel anbaut, sollte es mehr Lebensmittel werden. (Kommentar)
Eine Forderung, die mächtigen Agrarverbänden überhaupt nicht gepasst hat.
Eine großangelegte Lügenkampagne behauptete bereits Wochen vor der Wahl, die Ernährungsinitiative wolle einen Vegan-Zwang einführen.
Helfer verteilten Wurstscheiben, als wären es bald die letzten. In einem Land, das laut einer aktuellen Studie 8,5x so viel Fleisch isst, wie höchstes empfohlen wird.
Eine Lüge ist es deshalb, weil die Kampagne eine vegane Ernährung nicht nur nicht gefordert hat, sondern ausdrücklich für Tierhaltung eingetreten ist, nur etwas weniger umweltschädlich.
Oft hieß es außerdem, die Fristen seien zu streng und nicht realisierbar. Dabei betonten die Initiatoren, dass es auf einen Versuch ankomme. Etwas weniger Abhängigkeit wäre immer noch besser als nichts gewesen.
Am Ende war die Propaganda lauter. 72,5 % der Schweizer haben sich für die Abhängigkeit entschieden. Und für ein Weiter so.
Ein lautes „Nein“ gegen staatliche Eingriffe in der Ernährung. Außer, sie kommen in Form von Subventionen für die Agrar-Lobby daher.
Was bei vielen im Eifer der Panikmache untergegangen sein dürfte: Jeder Schweizer zahlt pro Jahr ungefähr 333 Franken direkt an die Schweizer Agrarlobby. Ganz egal, wie hoch der eigene Verbrauch an Tierprodukten ist.
Ähnlich wie in Deutschland werden Umweltverbrechen auch in der Schweiz nicht wirksam verfolgt. Seen voller Algen, Nitrat im Trinkwasser und Verlust der Artenvielfalt: Nicht der Verursacher zahlt in der Schweiz – sondern alle.
Und wie ein Tüpfelchen Schlagobers kommen staatliche Eingriffe in Form von Sprachverboten dazu. Vegane Salami darf z. B. in der Schweiz nicht so bezeichnet werden.
Gegen die lügenbasierte Agrar-Kampagne in der Schweiz war der Wähler offenbar wehrlos.
Lagen die Ja- zu Nein-Stimmen vor einem Monat noch bei ungefähr 50:50, haben es die Subventions-Empfänger der Agrar-Lobby wieder einmal geschafft, ihre eigenen Interessen durchzusetzen – und das ironischerweise ausgerechnet unter dem Motto der Befreiung.
Denn ganz egal, wie realistisch die Forderungen der Ernährungsinitiative tatsächlich sein mögen: Am Ende zahlen alle Schweizer zusammen die Zeche.
Klimawandel und politische Spannungen lassen sich nicht aufhalten, indem man sie ignoriert. Man kann sich nur rechtzeitig darauf vorbereiten.
Oder eben nicht.
Mögen sie nicht vergessen, wer es ihnen eingebrockt hat.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig
