Kochbuch von Jane Nshuti: Tamu – Das vegane Afrika-Kochbuch

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

In sieben afrikanischen Ländern lebte Jane Nshuti, bevor sie sich in Kapstadt niederließ. Basierend auf ihren kulinarischen Erinnerungen zeichnet ihr Buch „Tamu“ diesen turbulenten Lebensweg nach. Die Autorin wird damit auch zeigen, dass die afrikanische Küche nicht so einheitlich ist, wie oft klischeehaft angenommen wird. Und: wie gut eine pflanzenbasierte Ernährung dazu passt.

Denn viele Gerichte – und darin sind die verschiedenen Länderküchen dann doch vereint – kommen seit jeher ohne tierische Produkte aus. Ihre Basis sind Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide und Stärkehaltiges wie Reis, Hirse, Mais, Maniok oder Kochbananen sowie eine Fülle an hierzulande unbekannten Gemüsesorten, Gewürzen und Früchten. Dazu gehören Amarant- oder Süßkartoffel-Blätter, Fonio-Hirse oder Kolanuss.

Zum Weiterlesen:

Leseprobe des Verlags

Instagram der Autorin

Mehr Kochbücher zur afrikanischen Küche bei Valentinas

Die Geschichte Afrikas trieb dabei bisweilen absurde Blüten: Während zum Beispiel die so elementaren Erdnüsse mit portugiesischen Kolonialisten aus Südamerika nach Afrika gelangten – mit Zwischenstation in Brasilien –, sind selbst einheimische manche essbaren Pflanzen aus ihrer nächsten Umgebung, wie das Fonio-Getreide, unbekannt. Die Autorin beschreibt, dass durch die Kolonialgeschichte auch bei Einheimischen der Bezug zu ihren eigenen Essenstraditionen verloren gegangen sei.

„Der ganze Welt möchte ich zeigen, was der Mensch in Afrika isst, woher es kommt und was unser Land hervorbringt.“

Sie versteht sich deshalb als Botschafterin ursprünglicher afrikanischer Küche. In Kapstadt gründeten sie das Unternehmen „Tamu by Jane“, das Kochkurse und kulinarische Feste veranstaltete. Ihr Wunsch ist, dass afrikanische Produkte weltweit problemlos erhältlich sind. Bis dahin hilft ihre ausführliche Zutatenliste mit Ersatzlebensmitteln zwar bei der Umsetzung, doch natürlich um den Preis gerade der Einzigartigkeit charakteristischer Zutaten, etwa, wenn man statt landestypischen Knollen oder grünem Gemüse, Spinat, Mangold oder Kartoffeln verwendet.

Gleichzeitig möchte die Autorin gegen die Vorurteile ankämpfen, dass afrikanische Gerichte nur aus Fleisch und Mehlbrei bestehen, optisch nicht immer ansprechend und einfach in der Zubereitung sein.

Kochbuchautorin Jane Nshuti (re.)
Kochbuchautorin Jane Nshuti (re.)

Auf kulinarischer Entdeckungsreise

Zumindest das letzte Klischee wird nicht ganz zerstreut, denn was ich bereite, ist nahrhaft, bodenständig und praktisch für den Alltag. Das muss aber geschmacklich überhaupt kein Nachteil sein, wie die Rezepte beweisen. Mein Ausflug in die afrikanische Küche führte mich nach Ghana, Kenia, Ruanda, Nigeria und Tansania.

Ich lernte: Die Essgewohnheiten Ruandas sind von Hirse und Bohnen geprägt. In Kenia mag man Chai, Blattkohl und Chapati. Ich probierte ein Rezept für Blattkohl, das ich wie von Jane Nshuti (Foto links, rechts) empfohlen durch Mangold ersetzte. Er schmeckt schön würzig durch viel Paprikapulver und frisch durch Tomaten. Besonders gerne hielt ich mich in Nigeria und Tansania auf, wo diverse Bananensorten gerne verspeist werden. Im grünen Curry treffen grüne Bananen (Matoke, typisch für den Osten des Kontinents) kongenial auf Kokosmilch und viel Gemüse. Die Kochbananen-Klöße werden ebenfalls mit Kokos kombiniert, sie schmecken im Gegensatz zu den Matoke leicht süßlich. Die Autorin führt umsichtig durch die Rezepte und beide Gerichte waren super!

Nicht ganz zufrieden war ich mit dem Jollof-Reis ausgerechnet. Er ist der Stolz Westafrikas und befindet sich in härterer Konkurrenz zu Pilau-Reis (u. a. Kenia und Tansania), für den es ebenfalls ein Rezept gibt. Weil er im Buch so gepriesen wird, hatte ich entsprechend hohe Erwartungen. Leider war das Ergebnis überraschend neutral. Der Reis erwies sich aber auch als geeignete Beilage für den Kohl aus Ruanda, der sehr lecker war.

Jane Nshuti:

„Egal inwieweit Sie das Kochen bereits für sich entdeckt haben, dieses Buch ist eine Einladung, die afrikanischen Aromen kennenzulernen, sie zu erforschen und in die eigene Routine aufzunehmen. Einige Zutaten sind vielleicht anfangs ungewöhnlich und auch schwierig aufzutreiben, doch genau dort beginnt das Abenteuer!“

Kulinarische Brücken zwischen Kulturen und Erinnerungen

Die einleitenden Texte der nach Ländern gegliederten Kapitel sind keine klassischen kulinarischen Porträts, sondern vor allem persönliche Erfahrungen der Autorin. Neben ihren Stationen bis nach Südafrika stellt sie Heimatländer von Freunden oder solchen, die sie besonders interessieren, vor. Manchmal springt sie dabei zwischen den Ländergrenzen hin und her. Für mich persönlich wären die sehr kurzen Kapitel über Marokko und Ägypten verzichtbar gewesen.

Schade finde ich auch, dass das für Äthiopien typische Injera zwar als Beilage empfohlen wird, dafür aber kein Rezept im Buch enthalten ist. Einen detaillierten Überblick über die einzelnen Küchen von Kairo bis Kapstadt habe ich insgesamt nicht gewonnen, aber erste Eindrücke. Und diese waren farbenfroh und schmeckten! Vor allem aber zeigt sich in jedem Kapitel, wie Essen dabei helfen kann, sich mit Kulturen und Menschen zu verbinden.

Abgesehen von den nordafrikanischen Küchen und zunehmenden Äthiopien ist der Geschmack des afrikanischen Kontinents hierzulande noch unbekannt. „Tamu“ erweitert diese bisher kleine kulinarische Landkarte um viele weitere afrikanische Geschmackswelten. Das Buch eignet sich für alle, die neugierig auf neue Aromen sind, unabhängig von ihrer Ernährungsweise. Nicht umsonst bedeutet Tamu auf Suaheli „köstlich“!

Veröffentlicht im Oktober 2026

We will be happy to hear your thoughts

Hinterlasse einen Kommentar

Fehler: Content is protected !!
Presentkorb24.de – Geschenkideen & Präsentkörbe für jeden Anlass
Logo
Secret Link