Weide als Zumutung? Bio-Milchlobby setzt sich gegen EU durch (Kommentar)

Grüne Weiden spielen in der Milchwerbung eine zentrale Rolle. Das Verhalten der Bio-Milchlobby löst deshalb Befremdnis aus.





Bild: Andreas / Adobe Stock


Kühe sind Weidetiere und deshalb ist es ganz natürlich, dass sie am liebsten auf der Weide stehen – oder?

Auch Bio-Verbände wie Demeter schwärmen von einer „wesensgemäßen“ Tierhaltung und zeigen Kühe am liebsten auf grüner Wiese.

Nicht zuletzt sieht die Bio-Verordnung vor, dass Kühe auf die Weide können. Übrigens seit 1999, also seit 27 Jahren!

Doch die Auslegung durch deutsche Behörden lässt sich etwa so zusammenfassen: Macht mal, so gut ihr könnt! Deshalb gibt es bis heute Milchbauern, die Kühe regelwidrig ohne Weidegang halten – und dafür trotzdem ein Bio-Siegel bekommen.

Irgendwann wollte die EU der deutschen Bummelei nicht länger tatenlos zusehen – und kündigte 2025 an, die Weidepflicht endlich umzusetzen:

Wer seinen Kühen nach 27 Jahren immer noch keine Weide zur Verfügung stellt, sollte sein Bio-Siegel verlieren. Weil das nun mal geltendes Recht ist.

Doch statt nun nachzuholen, was sie gemütlich ausgesessen hatte, startete die Bio-Milchbranche Proteste, die einem die Fremdscham-Röte ins Gesicht trieben!

Bio-Milchlobby gegen Weidepflicht erfolgreich

Dieselbe Branche, die Verbraucher gern etwas über wesensgemäße Tierhaltung und die Kraft von frischem Gras erzählt, lobbyierte mit aller Kraft gegen eine baldige Weidepflicht für Bio-Kühe.

Demeter, Bioland, Naturland, die Bio-Molkerei Andechser Natur – sie alle nahmen am Lobbyismus auf Kosten der Tiere teil.

Tierhalter veranstalteten damals sogar einen „Trauermarsch“!

Sie titulierten die Weidepflicht als „Zwang zur Weide“, ganz so, als wäre auch das Bio-Siegel nichts weiter als ein Hindernis und das Grasen einer Kuh eine Zumutung.

Und tatsächlich: Nach medienwirksamen Protesten und Lobbyismus durch Bio-Verbände und -Molkereien verlängerte die EU die Schonfrist bis zur Durchsetzung der Weidepflicht – erneut.

Ist Tierschutz für die Bio-Milchlobby nicht mehr als ein „Zwang“?

Offiziell heißt es natürlich, man sei dafür, dass Kühe auf die Weide könnte …

In Wahrheit hat die Branche mit ihrer notorischen Blockadehaltung die Weidepflicht 27 Jahre lang hinausgezögert. Eine ganze Generation!

Beim Lobbyismus gegen die Weidepflicht zeigte sich plötzlich das Gesicht von Bio-Verbänden wie Demeter, Bioland und Naturland, die durch Wortwahl und Protestform erschreckend nah an die konventionellen Agrarverbände heranrückten.

Es ist ein Wettbewerb nach unten. Ein Schlag vor den Kopf für alle Bio-Bauern, die ihre Kühe längst auf die Weide lassen.

Ein Signal: Ausharren lohnt sich bis heute! Die Landwirte, denen das Tierwohl am Herzen lag, haben das Nachsehen.

Was hilft jetzt noch, wenn die Bio-Milchlobby lügt?

Wir haben die Kämpfe der Bio-Milchlobby gegen die Weidepflicht ausführlich verfolgt. Die Molkerei Andechser Natur, die mit „#Weidepower“ warb, hatten wir bereits 2025 um eine Stellungnahme gebeten, während ihre Chefin gegen die Weidepflicht lobbyierte.

Ehrlich: Die Bio-Branche ist gut darin, warme Phrasen zu dreschen. Über Tierwohl, Anstrengungen und das alles.

Doch 27 Jahre sprechen für sich.

Wer Bio-Tierprodukte gekauft hat, aus Fairness zum Tier, muss jetzt einsehbar sein: Es war gut fürs Bauchgefühl. Doch diese Branche hat den Tierschutz längst verraten.

Diese Verbände haben das Vertrauen verspielt.

Die mächtige Bio-Milchlobby wird wohl auch in 100 Jahren noch gegen eine Weidepflicht kämpfen.

Was jetzt hilft, ist der Aufstieg aus Milch und Tierprodukten.

Veröffentlicht:

Autor: Kilian Dreißig

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