Studie: Vegane Kinder kleiner als vegetarische Kinder

Ein Kind bei einem Arzt.
Sind vegane Kinder kleiner? Studie liefert neue Zahlen.





Bild: Seventyfour / Adobe Stock


Sind vegane Kinder kleiner? Dieser Frage geht eine neue Studie aus Leipzig nach. Sie untersuchte, wie Ernährungsform, Wachstum und bestimmte Hormonwerte im Kindes- und Jugendalter zusammenhängen. (1)

Dafür geschätzte Forscher 7.344 Serumproben von 2.508 gesunden Kindern und Jugendlichen aus. Die Teilnehmer waren 3 Monate bis 19 Jahre alt.

Die vegane Gruppe war allerdings winzig: 17 Blutproben von 12 Jugendlichen. Bei so kleinen Testgruppen kann ein Einzelfall die gesamte Statistik verfälschen. Die Studie taugt daher allenfalls zur Thesengenerierung, hat aber für euren Alltag keinerlei Aussagekraft.

Vegane Kinder kleiner als vegetarisch?

Vegan ernährte Kinder waren kleiner als vegetarisch ernährte Kinder. Der Unterschied zeigte sich jedoch nur, wenn die Forscher Kinder im gleichen Stadium der Pubertät verglichen.

Verglichen sie im Gegensatz zu Kindern im gleichen Alter, war der Unterschied so gering, dass er auch Zufall sein kann.

Zwischen vegetarisch und omnivor ernährten Kindern fand die Studie keinen Größenunterschied. Allesfresser bedeutet: Diese Kinder essen auch Produkte von toten Tieren.

Ein direkter Vergleich zwischen veganen und omnivoren Kindern fand nicht statt.

Beim Körpergewicht zeigen sich kleine Unterschiede. Vegan ernährte Kinder hatten einen etwas niedrigeren BMI-SDS als vegetarisch ernährte Kinder. Omnivor ernährte Kinder hatten den höchsten Wert. Alle Gruppen liegen im Normalbereich.

Wachstumsmarker: IGF-1 und IGFBP-3

Die Studie prüfte auch zwei Marker, die mit Wachstum zusammenhängen: IGF-1 und IGFBP-3. IGF-1 ist ein Wachstumsfaktor, den der Körper auch selbst bilden kann. IGFBP-3 bindet ihn im Blut.

Vegan ernährte Kinder hatten niedrigere IGF-1-Werte als vegetarisch ernährte Kinder. Die Autoren bezeichnen diesen Befund jedoch als statistisch grenzwertig und mahnen zur Vorsicht.

Deutlicher Bereich der Vergleich zwischen vegetarisch und omnivor ernährten Kindern aus. Vegetarier hatten deutlich niedrigere IGF-1-Werte. Beim IGFBP-3 zeigte sich der Unterschied nur in einer der beiden Berechnungen.

Wie sich die Daten einordnen lassen

Wichtig ist: Die Studie zeigt Zusammenhänge. Sie beweist keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Eine Ernährungsempfehlung lässt sich daraus laut den Autoren nicht weiterleiten.

Wie lange, wie konsequent und wie ausgewogen sich die Kinder ernährten, erfasste die Studie nicht. Die Ernährungsform basiert auf eigenen Angaben.

Und selbst ein echter, ernährungsbedingter Größenunterschied (der hier nicht be- oder breitergelegt wurde) wäre nicht automatisch ein Problem. Die veganen Jugendlichen liegen nah am Durchschnitt ihrer Altersgruppe. Die vegetarische Vergleichsgruppe war im Gegensatz dazu überdurchschnittlich groß.

Wer kleinere vegane Kinder automatisch mit „ungesund“ gleichsetzt – wie es aktuell einige Medien tun –, betreibt schlichte Panikmache und sollte sich die Zahlen einmal genauer ansehen.

Größer heißt nicht gesünder: Pro 10 Zentimetern Körpergröße steigt das Krebsrisiko um rund 16 Prozent. (2) Auch ein hoher IGF-1-Spiegel wird als Risikofaktor für Krebs diskutiert.

Milchtrinker größer, wegen Hormonen aus Kuhmilch?

Woher die Unterschiede bei der Körpergröße kommen, hat die Studie nicht untersucht. Die Autoren vermuten einen Zusammenhang mit der Ernährung. Frühere Studien verbinden vor allem Milchprodukte mit höheren IGF-1-Werten.

Kuhmilch ist von Natur aus für das Kalb bestimmt. Es verdoppelt sein Gewicht in wenigen Wochen – Kuhmilch ist daher reich an tierischen Hormonen und Wachstumsfaktoren (Faktencheck). Ein Menschenbaby braucht dafür 4-5 Monate.

Hormone in Milchprodukten können Kinder schneller wachsen lassen. Kuhmilch könnte für Kinder daher so etwas sein wie eine Art Doping.

Ein hoher Milchkonsum nach dem Säugealter kann das Risiko für Brustkrebs bzw. Prostatakrebs steigt, sagte uns der Mediziner Prof. Bodo Melnik 2025 im Interview:

Prof. Bodo Melnik: "Milch macht krank!" - aus diesen Gründen

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Für euch heißt das: Achtet bei veganen Kindern auf eine gut geplante Ernährung und lasst Wachstum und Nährstoffwerte regelmäßig beim Kinderarzt prüfen. Liegen sie im altersgerechten Bereich, gibt es keinen Grund zur Sorge.

Alle, die die Leipziger Studie nun nutzen, um Vorurteile über Veganer zu verbreiten, sollten sich die Zahlen einmal genauer ansehen.

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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