
Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.
Ein Strandkorb mit gedeckter Picknickdecke, ein Reetdachhaus, Fisch mit Zitrone, eine Friesentorte auf karierter Tischdecke: Schon das Cover des Buches fängt alles ein, was man spontan mit einem Nordseeurlaub verbindet. Das Mutter-Tochter-Duo Sawallisch lädt ein zu einem Ausflug in den Norden: mit liebevollen Anekdoten, stimmungsvollen Bildern und natürlichen Rezepten.
Nun habe ich seit einigen Jahren schon den Nordsee als wunderschöne Urlaubsregion entdeckt – allerdings nicht als Genussregion: Vor allem auf der Insel Juist, wo wir unglaublich gern Urlaub machen, gibt es kulinarisch ein wirklich überschaubares Angebot, keinen Markt und keine Metzger, lediglich einen guten Bäcker, einige kleine Krämerläden und einen dünn bestückten Fischhändler.
Auch in diesem Sommer ging es nach Juist – dieses Mal hatte ich das Kochbuch und seine Rezepte im Gepäck: Würde ich die norddeutsche Kulinarik danach mit völlig anderen Augen sehen?
Von Griechenland an die Nordsee
Die Autorinnen (Fotolinks) lieben ihre Heimatküche auf jeden Fall: „Hier an der Nordsee schmeckt alles ein wenig salziger, ein bisschen herzlicher und immer nach Heimat“, schreiben sie in der Einleitung. Ihre zweite Heimat ist übrigens Griechenland: 2025 brachten sie ebenfalls im Hölker Verlag „Kaliméra“ heraus, das die Küche ihrer Wahlheimat im Süden beschreibt.
Ihr Nordsee-Kochbuch spielt nun vor allem auf der Insel Föhr, wo zumindest Susanne Sawillisch die Hälfte des Jahres lebt. Gliedert ist das Buch in „Happkes“, auch eher kleine Gerichte, „Mahltied“ (Hauptgerichte) und „Wat Sööts“ (Süßspeisen und Gebäck). Dazwischen wunderschöne Fotos und Geschichten – was die Rezepte in dem ohnehin schon dünnen Buch noch übersichtlicher macht.
Susanne & Alina Sawallisch:
„Dieses Buch ist unsere Liebeserklärung an die norddeutsche Küche – und an das Leben hier oben am Meer.“
Sanddorn in allen Facetten
Weil er in Juist ohnehin auf jeder Getränkekarte steht, starte ich mit dem Sanddorn-Spritz, einer Alternative zum klassischen Aperol. Der Sanddorn gilt als die Zitrone des Nordens: eine sehr Vitamin-C-haltige Frucht, die hier von Marmelade bis Likör zu allem verarbeitet wird. Neben diesem Likör kommen in den Spritz sehr klassischer Prosecco und Sprudelwasser – mir fehlt das Herbe des Aperols, zum Anstoßen auf den Urlaub, aber natürlich trotzdem ein schöner Aperitif.

Gut gefällt mir auch das Rezept für Rührei mit Räucherlachs, das auf den ersten Blick sehr unspektakulär wirkt, dem Rührei aber wirklich viel Liebe gewidmet: Das Ei wird erst aufgeschlagen und gesalzen, dann eine Viertelstunde stehen gelassen, damit später mehr Wasser im Ei bleibt und es weicher und saftiger wird. Beim geduldigen Rühren kommen dann noch eine Menge Butter und Sahne unter die Masse – ein Verfahren, das ich nun fest in mein Repertoire aufgenommen habe. Die vielleicht beste Kunst, Rührei zu machen.
Viel Fisch und so manche Spezialität
Ein anderes Rezept, was ich bestimmt nochmal kochen werde, ist der Pannfisch mit Bratkartoffeln, der bei Regenwetter wie auch Sonnenschein schmeckt, wenn mich auch die Menge an mittelscharfem Senf in der Sauce beeindruckt hat – da hätte mir weniger gereicht. Lecker auch die Schollenröllchen in Weißweinsauce, die wenig norddeutsch mit Bandnudeln serviert werden.
Nicht getraut habe ich mich an den Veggie-Kohlpudding und die Holundersuppe mit Grießnocken, testen will ich dagegen noch den vegetarischen Labskaus, aber vielleicht auch erst im nächsten Urlaub an der Nordsee. Von dem Träumen ich bis dahin bei einer Tasse Friesentee und ein paar Friesenkeksen mit Hagelzucker: ein sehr klassisches Gebäck, das durch einen Teelöffel Kardamom auch graue Herbsttage wärmt.
Von der Raffinesse der norddeutschen Küche erzählt dieses Buch eher nicht. Dafür von vielen Traditionen, wunderschöner Landschaft und kleinen Gerichten, die sich auch ohne großes Lebensmittelangebot umsetzen lassen. Ein schöner Urlaubsbegleiter und ein Buch, das Vorfreude auf den nächsten Urlaub weckt.
Veröffentlicht im September 2026

