
Bild: K/Vegpool / Canva
Eine im August erschienene Studie hat untersucht, wie stark die Ernährung in der Schweiz von den Empfehlungen der ist EAT-Lancet Planetary Health Diet abweicht. (1)
Das Ergebnis erschreckt: Bei Fleisch lagen die Schweizer 8,5 Mal über den Empfehlungen – und „Geflügel“ war hier noch nicht mitgerechnet. (Kommentar)
Grundlage der Studie waren Daten von 2.057 Erwachsenen zwischen 18 und 75 Jahren aus der nationalen Ernährungserhebung menuCH im Zeitraum 2014–2015. Es wurde keine Projektfinanzierung angegeben.
Die Daten sind allerdings schon über zehn Jahre alt und basieren auf Selbstauskünften – einem persönlichen und einem telefonischen Interview. Bei Selbstauskünften geben Menschen häufig „erwünschte“ Angaben an. Daher könnten die tatsächlichen Mengen an Tierprodukten sogar noch höher liegen.
Auch Milchprodukte liegen deutlich zu hoch
Milchprodukte liegen ebenfalls klar über dem Zielwert der Planetary Health Diet. Erfasst wurden 556 kcal pro Tag statt empfohlener 153 kcal.
Der Konsum von Käse, Joghurt, Kuhmilch und Co. liegt hier 3,63 Mal so hoch wie die Empfehlung.
Bei Getreide lag die Aufnahme der Schweizer mit 775 kcal pro Tag nah an der Empfehlung (811).
Fisch und „Meeresfrüchte“ lagen mit 41 kcal nur leicht über dem Zielniveau der EAT-Lancet Planetary Health Diet (40).
Ein Sechsundzwanzigstel der empfohlenen Hülsenfrüchte
Unter den Empfehlungen liegen vor allem Hülsenfrüchte und ungesättigte Öle. Hülsenfrüchte kamen auf 11 kcal pro Tag. Der Referenzwert liegt bei 284 kcal.
Zu den Hülsenfrüchten zählen zum Beispiel Linsen, Bohnen, Kichererbsen und Soja. Auch Zutaten, auf denen früher ein großer Teil der Ernährung in der Schweiz basiert.
Die Schweizer erreichten hier etwa vier Prozent der empfohlenen Menge – ein Sechsundzwanzigstel.
Bei ungesättigten Ölen waren es 138 statt 354 kcal. Das sind knapp 40 Prozent der Empfehlung. Weniger als die Hälfte.
Schweizer gehören zu den dicksten Menschen der Welt
In der Schweiz sind 39,1 % der Menschen übergewichtig und 22,8 % fettleibig. (2) Die Schweizer gehören damit zu den dicksten Menschen auf der Welt.
Und sie sind – dem Anschein nach – einer mächtigen Agrarindustrie ausgeliefert, die jedes Jahr Milliarden aus ihren Steuergeldern erhält.
Das lässt sich auch am üblichen Widerstand gegen die „Ernährungsinitiative“ beobachten.
Die Initiative möchte die Schweiz weniger abhängig vom Ausland machen – auch durch den Anbau von mehr pflanzlichen Lebensmitteln. Doch mächtige Agrarverbände behaupten, der Schweiz stehe ein „Vegan-Zwang“ bevor.
Es ist eine leere Lüge. Doch Umfragen verfehlten sie ihre Wirkung nicht.
Während sich Ende August noch jeder Zweite für die Initiative aussprach, sind es nach einem Monat intensiver Agrar-Propaganda aktuell etwa 33 %. (3) → Mehr dazu.
Fehlernährung als Folge fehlgeleiteter Subventions-Politik?
Was viele Schweizer nicht wissen: Tierhalter erhalten in der Schweiz etwa die Hälfte ihres Einkommens direkt aus staatlichen Subventionen.
Auf einen verdienten Franken bezahlen die Steuerzahler rund einen weiteren Franken.
Dazu kommen politische Förderungen wie der Verzicht auf Steuern bestimmte oder die Bevorzugung von Milch gegenüber Haferdrink.
Zudem verzichtet die Schweiz darauf, Verursacher von Umweltschäden zur Haftung zu ziehen. Die Folgen industrieller Tierhaltung tragen deshalb die Allgemeinheit – nicht die Verursacher.
Jeder Schweizer Steuerzahler zahlt auch mit, dass Tierprodukte an der Kasse billig wirken – und pflanzliche Produkte teuer.
Die Ernährungs-Katastrophe in der Schweiz kommt ebenfalls nicht von ungefähr. Die Schweizer tun deshalb gut daran, sich aktiv um eine gesunde Ernährung zu kümmern.
Staat fördert Tierindustrie – Gesundheit als Privatsache?
Die wichtigsten Hebel zu einer gesünderen und nachhaltigen Ernährung in der Schweiz: mehr Hülsenfrüchte, deutlich weniger Tierprodukte, mehr Gemüse und mehr Obst.
Dazu muss man nicht vegetarisch oder vegan leben.
Wer sich trotzdem unverbindlich informieren möchte, findet auf unseren Seiten wichtige Vorteile einer veganen Ernährung für die Gesundheit.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig
