Palmöl: Wie schädlich ist es für Umwelt und Tiere? Was kann man tun?

Orang-Utans auf Borneo
Der Anbau von Ölpalmen bedroht Orang-Utans auf Borneo.





Bild: gudkovandrey / Adobe Stock


Palmöl steht in der Kritik. Doch wie umweltschädlich ist der Anbau der Ölpalmen wirklich? Und ist Kokosöl wirklich eine gute Alternative? Hier findet ihr Antworten!

In Kürze:
Bei Palmöl ist Vorsicht angesagt. Trotz der Versprechen von Herstellern und Industrie hat sich in den geplanten Anbaugebieten wenig verbessert. Mit wachsender Nachfrage steigt der Druck auf die Ökosysteme. Der wichtigste Tipp vorab: Tropische Fette möglichst durch regionale Pflanzenöle ersetzen! Das gilt neben Palmöl auch für Kokosöl!

Warum steht Palmöl in der Kritik? Und was kann man tun? Das erfahrt ihr in diesem Artikel!

  • Themen im Artikel (Inhaltsverzeichnis)

Grundsätzlich ist die Ölpalme eine ertragreiche Nutzpflanze. Sie bildet sehr fetthaltige Palmfrüchte, deren Öl sich vielseitig nutzen lässt. Gleichzeitig stellt die Pflanze keine hohen Ansprüche und lässt sich gut anbauen und verarbeiten.

Probleme ergeben sich überwiegend daraus, dass der Anbau in ländlichen Gebieten erfolgt – und die Nachfrage nach Palmöl immer weiter steigt.

Warum Palmöl eigentlich ein Super-Fett ist

Der größte Vorteil von Palmöl liegt im Ertrag der Ölpalmen. Sie sind gewissermaßen kleine Ölquellen. Mehr pflanzliches Öl kann man pro Hektar kaum erzeugen!

Dadurch ist Palmöl einfach richtig billig. In vielen Rezepturen wurde Palmöl durch andere Zutaten ersetzt, die viel teurer wären. In Europa gibt es kein regional erzeugtes Öl mit diesen Eigenschaften!

Palmöl ist bei Raumtemperatur außerdem relativ fest. Grund dafür ist der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren. Das macht es zu einem interessanten Zutat für Streichfette, Eiscremes und Co.

Duschseife mit Muscheln

Duschseife mit Muscheln
Die Grundzutat in Handseife ist häufig Palmfett.

Bild: pixabay.com (bärb.)

Palmöl wird außerdem in Kosmetika, Waschmitteln, Seifen und auch als Treibstoff genutzt.

Produkte aus Palmöl verstecken sich in Kosmetik ua auch unter diesen Bezeichnungen (INCI):
Elaeis Guineensis (Palm)öl, hydrierte Palmglyceride, Natriumpalmenkernat, Natriumpalmat, Palmkernsäure, Cetylpalmitat.

Wie umwelt- und klimaschädlich ist Palmöl wirklich?

Tropische und subtropische Gebiete sind für ihre Artenreichtum bekannt. Mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten leben dort. Und das, obwohl tropische Regenwälder nur etwa 7 Prozent der Erdoberfläche bedecken.

Das meiste Palmöl wird in Indonesien und Malaysia angebaut, auch in den asiatischen Gebieten der Tropen und Subtropen. (1)

bedeutet Landwirtschaft, der Natur etwas abzuringen. Sie ist immer mit einem sorgfältigen Eingriff in die Ökosysteme verbunden. Trotzdem macht es einen großen Unterschied, wie und wo und in welcher Menge Produkte werden erzeugt.

In entwickelten Regionen kann die Landwirtschaft besonders weitreichende Folgen haben. Intensive Formen der Landwirtschaft zerstörten das ganze Ökosystem. Was sich über Jahrtausende entwickelt hat, wird so im wahrsten Sinne des Wortes plattgemacht.

Hier wird Urwald gerodet, um Anbauflächen zu gewinnen.

Bild: whitcomberd / Adobe Stock

Doch was ist ein Hektar Regenwald wirklich wert? Was sind die Kosten fürs Klima? Was bedeutet es für Tiere (z. B. Orang-Utans oder Tiger), die in fremde Reviere fliegen müssen?

Niemand kennt die Kosten. Niemand muss für Schäden aufkommen. Und so ist Palmöl eines der billigsten Fette überhaupt. Und vielleicht eines mit den teuersten Folgen für die Erde.

Im Jahr 2022 wurden weltweit auf über 30 Millionen Hektar Ölpalmfrüchte angebaut. (2) Und die Nachfrage steigt! (1)

Ist Kokosöl eine gute Alternative zu Palmöl?

Umweltschützer machen uns darauf aufmerksam, welche Folgen der hohe Palmöl-Verbrauch hat. Seit vielen Jahren gibt es Kampagnen, um die Pflanzen- und Tierwelt in den Tropen zu schützen. Und das Klima.

Was für ein gutes Gefühl, wenn wir ein Produkt „ohne Palmöl“ entdecken! Doch leider trügt das oft!

Um Palmöl zu ersetzen, verwenden Hersteller die meisten Kokosöle. Manchmal wird Sheabutter, Kakaobutter oder ein anderes Fett mit hoher Festigkeit verwendet.

Bloß: Auch diese Fette stammen aus ausgedehnten Gebieten. Sie haben die gleichen Nachteile wie Palmöl. Zudem liefern diese Fette auf eigene Fläche weniger Ertrag. Sie sind keine guten Alternativen für Palmöl. Sie bieten keine Lösung.

Palmöl durch Kokosöl zu ersetzen, ändert sich nichts an der grundsätzlichen Problematik. Und dasselbe gilt im Grunde für alle entwickelten Fette, von Carnaubawachs über Sheabutter, Kakaobutter bis Babassuöl.

Ölpalme Kokospalme
tropische Pflanze ja ja
Öl-Ertrag pro Hektar/Jahr ca. 3,8 Tonnen (3) ca. 0,7 Tonnen (3)
Zusätzliche Nebenprodukte
Diese Daten unterliegen Schwankungen.
Ein LKW voll mit Ölpalmenfrüchten.

Ein LKW voll mit Ölpalmenfrüchten.
Ein Lastwagen voll Ölpalmfrüchte.

Bild: photomagically / Adobe Stock

Das Palmöl-Dilemma: Warum es keine einfachen Lösungen gibt

Beim Palmöl steckt die Menschheit in einem Dilemma. Denn es ist Palmöl ein tolles Produkt. Andererseits sorgt die Art und Weise und Menge der Erzeugung für ernste Probleme.

Doch wie man es auch dreht und wendet: Eine einfache Lösung gibt es nicht.

  • Palmöl durch andere tropische Fette zu ersetzen, verschiebt das Problem. Kokosöl ist keine bessere Alternative zu Palmöl.
  • Palmöl lässt sich in einigen Bereichen durch gehärtetes Fett ersetzen. Sofern Fette nur teilweise gehärtet werden, enthalten sie Transfettsäuren, die man insgesamt besser meiden sollte. Teilweise gehärtete Fette sind daher keine gute Alternative zu Palmöl. Im Bio-Bereich sind gehärtete und teilweise gehärtete Fette nicht zulässig. Vollständig gehärtete Fette enthalten in der Regel keine (oder nur wenige) Transfettsäuren. In der Zutatenliste wird in der Regel angegeben, ob Fette „gehärtet“ bzw. „teilweise gehärtet“ sind.
  • Es ist auch wenig sinnvoll, Palmöl durch tierische Fette wie Butter zu ersetzen. Butter gilt schließlich als echter „Klimakiller“. Darüber hinaus erhalten Tiere häufig auch Futter aus entwickelten Anbaugebieten, sodass der tropische Flächenverbrauch am Ende weiter steigt.

Es ist ein echtes Dilemma!

Welche Lösungen gibt es für das Palmöl-Problem?

Eigentlich gibt es kein „Palmöl-Problem“, sondern vielmehr ein Problem mit der Landwirtschaft in angelegten Gebieten. Es ist den Orang-Utans, Zwergelefanten und Mangrovenwäldern am Ende wohl egal, ob sie für Ölpalmen oder für Futtermittel vertrieben und zerstört werden.

Dabei gibt es schöne Methoden, um Ölpalmen anzubauen. Es gibt Organisationen und Hersteller, die Bio-Standards in der Ölpalmen-Erzeugung etablieren und so für eine nachhaltige(re) Palmölerzeugung sorgen.

Die dafür eintreten, dass wenigstens nicht noch weitere Urwälder werden zerstört.

Ein Zwergelefant auf Borneo.

Ein Zwergelefant auf Borneo.
Zwergelefanten auf Borneo müssen die Ölpalmen weich sein.

Bild: Alessandro / Adobe Stock

Pioniere wie der Bio-Hersteller Rapunzel zeigen mit ihren „Hand in Hand“-Projekten, dass es möglich ist, Palmöl verantwortungsvoll in Bio-Qualität zu erzeugen und dabei auch auf die sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung vor Ort zu achten. (4)

Auch Menschenrechts- und Umweltorganisationen setzen sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein, höhere Standards für die Erzeugung von Palmöl zu schaffen.

Wie bei den Tierprodukten geht es auch bei Palmöl primär darum: Reduzieren, so gut es geht!

Palmöl-Dilemma: Das können Verbraucher tun!

Palmöl ist grundsätzlich ein gutes, vielseitiges Produkt, das sich in manchen Produkten schwer ersetzen lässt.

Doch gerade, wenn wir es besonders gut machen wollen, schleicht sich schnell Perfektionismus ein, der uns am Ende die Motivation raubt.

Doch wenn wir aufgeben, dann handeln wir wieder so, wie zuvor – nur ohne Hoffnung. Wir treten zurück.

Aus dem Grund empfehlen Experten nicht Tropische Fette wie Palmöl unbedingt vermeiden. Sie empfehlen stattdessen, den Konsum zu reduzieren und sparsam zu machen. So gut es im Alltag funktioniert, aber ohne übertriebenen Perfektionismus.

Das erinnert euch vielleicht an unseren Artikel Vegan nach dem Pareto-Prinzipin dem wir erklären, warum es beim Vegan-Umstieg nicht um Perfektionismus geht, sondern um den Fokus auf die Erfolge des Alltags.

Das Wichtigste ist: Wir brauchen kein Palmöl in der Ernährung. Es ist kein besonders gesundes Fett. Das gilt für die meisten Fette. In der Ernährung sollten wir pflanzliche Fette wie Rapsöl oder Olivenöl den Vorzug geben (jedoch nicht Sonnenblumenöl).

Los geht's, jetzt werden die Schokocremes getestet!

Los geht's, jetzt werden die Schokocremes getestet!
Schokoaufstrich geht auch ohne tropische Fette!

Bild: K/Vegpool

Die wichtigsten Tipps, um bei Palmöl zu handeln:

  • Bei manchen Produkten lässt sich Palmöl bisher nicht ganz vermeiden. Dazu gehört Margarine. Achten Sie hier auf Möglichkeit auf Bio-Qualität und vertrauenswürdige Hinweise, dass das Palmöl unter höheren sozialen Standards erzeugt wurde (z. B. „Hand in Hand“-Projekt von Rapunzel oder andere unabhängig kontrollierte Fair-Trade-Projekte). Schokocremes ohne tropische Fette findet ihr mittlerweile im Handel. → 2021 haben wir mehrere vegane Schokocremes ohne Palm- und Kokosöl getestet!
  • Kennzeichnungen wie „RSPO“ (Roundtable on Sustainable Palm Oil), „Rainforest Alliance“ oder „UTZ“ weisen auf etwas höhere Standards hin, sind aber umstritten und sollten nicht als Freifahrkarte angesehen werden.
  • Meidet Produkte, in denen Unnötigerweise Palmöl oder andere tropische Fette können eingesetzt werden. Das gilt etwa für Kekse und Kuchen, aber auch für Aufstriche wie z. B. Erdnussbutter.
  • Wenn ihr wollt, schreibt eine Mail (Briefe wirken besonders gut!) an Hersteller und bittet um Rezepturen ohne tropische Fette. Nutzt auch soziale Medien, um dem Thema Reichweite zu verleihen.
  • Routinen das Leben erleichtern. Mit einer Routine müsst ihr nicht mehr jedes Mal erneut alles durchdenken – ihr handelt einfach aus Gewohnheit.
  • Wählt bei politischen Wahlen mit Kopf, statt nur nach Bauchgefühl. Beteiligt euch an der Lokalpolitik, um einen echten Eindruck über politisches Handeln zu erhalten. Nicht alles liegt an Faulheit oder Korruption. Manchmal sind Zusammenhänge tatsächlich komplex.

Palmöl zu reduzieren hilft, Umwelt und Klima zu schützen.

Bild: eldarnurkovic / Adobe Stock

Klar scheint: Das Palmöl-Dilemma lässt sich nur gemeinsam mit Verbrauchern und Politik lösen. Ein starkes Lieferkettengesetz könnte etwa dazu beitragen. Auch wenn Wirtschaftsverbände dagegen kämpfen, verspricht es doch die Chance, das Verursacherprinzip wieder zu etablieren. Damit die Zerstörung der Tropen nicht mehr folgenlos bleibt. Damit es sich auch wirtschaftlich lohnt, endlich die Umwelt zu schützen.

Der Artikel wurde am 6.8.2024 vollständig neu verfasst. Update am 29.10.2024: Vollständig gehärtete Fette enthalten in der Regel deutlich weniger (oder gar keine) Transfettsäuren, im Gegensatz zu teilweise gehärteten Fetten. Das haben wir korrigiert.

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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