Weil zu viele „Nutztiere“ sterben: Grüne fordern Frühwarnsystem für Bayern (Kommentar)

Wenn Tiere noch vor der Schlachtung sterben, sprechen Tierhalter von „Falltieren“.





Bild: pixabay.com


Wenn Rinder, Schweine oder Hühner in der Tierindustrie noch vor dem Transport in den Schlachthof sterben, dann sprechen Tierhalter von „Falltieren“.

Diese Zahlen steigen in Bayern massiv.

Nach Auswertungen der Grünen im Bayerischen Landtag starben 179.910 Rinder und 927.326 Schweine allein im Jahr 2025.

Das sind rund 50.000 Schweine und 10.000 Rinder mehr als im Vorjahr. (1)

Deshalb fordern die Landtags-Grünen in Bayern ein Frühwarnsystem.

Ob die Zahl der „Fallzahlen“ wirklich wirksam sinkt – gar auf 0 –, ist indes mehr als fraglich.

Tierqualhaltung lohnt sich bis heute

Tierhalter erhalten Milliardengelder aus Agrarsubventionen. Alle Steuerzahler zahlen auch Geld, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten. Als wäre Tierhaltung ein Allgemeininteresse.

Jeder Steuerzahler zahlt mit, damit sich diese Art der Tierhaltung für die Betreiber lohnt. Auch die, die aus guten Gründen gar keine Tierprodukte essen.

Sterben Tiere aufgrund von Seuchen, erhalten Tierhalter zusätzlich Entschädigungen der Tierseuchenkassen – die ebenfalls teilweise aus Steuergeldern bezuschusst werden.

Nahezu 100 % der Industriebetriebe setzen sogar Züchtungen aus Inzucht ein, die von Geburt an unter den Folgen körperlicher Behinderungen leiden.

Inzucht in der Tierindustrie? Das sind die Hintergründe!

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Dass viele der von Geburt an geschwächten Tiere die Haltung nicht überstehen, ist vorhersehbar. Dass es auch immer mehr „Falltiere“ sind, kommt nicht überraschend.

Strafen, etwa wegen Tierquälerei, müssen die gewerbstätigen Tierhalter nicht erwarten. Vielleicht auch, weil die Öffentlichkeit nichts davon mitbekommt. Weil niemand sieht, wie die kleinen Ferkel oder Kälber sterben.

Die hohe Zahl der „Falltiere“ in Bayern liegt wohl auch daran, dass die Öffentlichkeit wegsieht. Schön fürs Gewissen, schlecht für die Tiere – und außerdem richtig teuer.

Deutsche Schweinehalter fordern übrigens weitere 2 Milliarden Euro vom Staat, verteilt über 10 Jahre. Bundesminister Alois Rainer (CDU) fand die Forderungen „vernünftig“.

Was hilft gegen die „Falltier“-Problematik in Bayern?

Das Grundproblem in Bayern lässt sich über ein Frühwarnsystem nicht lösen. Denn auch das bringt keine Anreize für Veränderungen.

Wirksamer scheint eine strikte Kopplung staatlicher Subventionen an die Einhaltung von Recht und Gesetz zu sein.

Kurz: Wer Tiere quält, der bekommt auch keine Zuschüsse von den Steuerzahlern mehr.

Tierhalter müssen berufstypische Risiken außerdem selbst absichern und für verursachte Schäden auch die Verantwortung übernehmen. Dazu gehört etwa die Haftung für Folgen von Seuchen und für Schäden an Klima, Wasser und Umwelt.

Die deutsche Tierindustrie verursacht jährlich 22 Mrd. Euro an ökologischen Folgekosten.

Das Grundprinzip, dass Verursacher für die Schäden entstehen, muss endlich auch für die gewerbliche Tierhaltung gelten.

Die Forderung nach einem Frühwarnsystem für „Falltiere“ in Bayern macht auf ein Problem aufmerksam, bei dem die meisten bisher wegschauen.

Zugleich ist es noch lange kein mutiger Fortschritt, sondern allenfalls ein zögerliches Aufbegehren gegenüber einer Industrie, die sich jahrzehntelang an Subventionen sattgefressen hat und keine Grenzen gewohnt ist.

Diese Grenzen müssen jetzt eingehalten werden.

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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