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Habt ihr auch schon mal gehört, dass Kühe angeblich Gras in Milch und Fleisch „veredeln“ und deshalb unentbehrlich für uns Menschen wären?
Die Milchindustrie nutzt dieses Argument besonders gerne. Branchenverbände vermitteln damit den Eindruck, dass Rinderhaltung notwendig und natürlich wäre. Dabei hat sich die Art der Milcherzeugung in den vergangenen hundert Jahren wesentlich verändert!
In einer Werbe-Kampagne der „Initiative Milch“ heißt es etwa:
Saftiges Wiesengras ist nicht nur die Hauptspeise von Milchkühen. (…) Kühe fressen überwiegend Gras, das im Umkreis der Höfe geerntet wird, und produzieren daraus Milch. Somit können wir uns dank der Kuh indirekt von Gras ernähren. Initiative Milch 2.0 GmbH in einer Pressemitteilung vom April 2022 unter dem Titel „Lecker Gras ins Glas“.
Bei diesen Argumenten „vergisst“ die Milchindustrie, dass Milchkühe auf klassischen Milchbetrieben keineswegs bloß Gras fressen. Dafür jede Menge Futter aus Ackerbau. Und Nahrungsergänzungsmittel.
Leckeres Soja-Kraftfutter im Glas?
Verbraucher können dieses „Milchmärchen“ kaum durchschauen. Denn sie basieren auf einer Tierhaltung wie vor 200 Jahren. Mit dem Unterschied, dass sich die zentralen Abläufe seitdem radikal verändert haben.
Das Weglassen dieser Informationen ist zwar keine direkte Lüge. Dennoch dürften Milchbauern durchaus wissen, was sie Tag für Tag in den Futterkrippen schaufeln – und wie wichtig die Story von der grünen Weide fürs Marketing ist.
Die Abhängigkeit der Tierhaltung von Anbauflächen gefährdet die Ernährungssicherheit!

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Theoretisch sind Rinder Grasveredeler. In der Realität bekommen sie Futter aus Ackerbau.
Richtig ist, dass sich Rinder grundsätzlich gut von Gras ernähren können. Ihre vier Mägen machen es möglich.
Früher ließ man Kühe auf Wiesen grasen. Dann nutzte man ihr Fleisch oder ihre Milch.
Das ist zwar nicht unbedingt tierfreundlich, aber immerhin hat man auf die Weise Grünland für Nahrungsmittel genutzt. Das ist die Geschichte, die im Marketing immer wieder auftaucht.
Heute sieht das anders aus. In der intensiven Milchkuhhaltung stammen nur 30–40 % der Energie aus Gras. Der Rest kommt aus Kraftfutter.
Etwa Maislage, Sojaschrot, Weizen, Ackerbohnen, Hafer usw … Futter, das aus Ackerbau stammt.
Von wegen Weide!
Bis zu siebzig Prozent Energieanteil aus Kraftfutter! Dadurch wird Kuhmilch zu einem Nahrungsmittel mit großem, ökologischen Fußabdruck.
Warum verschweigt die Milchindustrie diese wichtigen Fakten?
Schon rein körperlich könnten moderne Hochleistungskühe aus Inzucht nicht nur von Gras leben. Sie benötigen während der Laktationsphasen Kraftfutter mit sehr viel Energie.

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Intensive Milchproduktion nur mit Gras? Unmöglich!
Ohne Kraftfutter würde Kühe mehr Energie verbrauchen, als sie aufnehmen könnte. Der Mensch spricht von Ketose. Auch Biokühe bekommen Futtermittel aus Ackerbau. Sogar Kühe in sogenannten Heumilch-Betrieben!
Man könnte die Milchindustrie auch nicht einfach auf Gras umstellen. Es gibt zu viele Kühe. Es sind die falschen Rassen. Und es gibt nicht genug Wiesen.
Die Milchindustrie lässt diesen zentralen Punkt in ihrem Grünland-Mythos einfach weg. Doch genau dieser stellt die ganze Branche infrage.
Und ganz ähnlich irreführend argumentieren Marketingbüros der Milchindustrie über das Kraftfutter.
„Abfall“ in der Futterkrippe?
Oft heißt es, das beste Kraftfutter nur aus „Abfall“ (oder „Nebenströmen“) der Lebensmittelindustrie. Das stimmt, aber auch nicht ganz.
Futtermittel sind Nebenprodukte. Sie lassen sich wirtschaftlich weiterverwerten. Man könnte daraus sogar Lebensmittel herstellen – wenn sich die Politik ändert.

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Ein Beispiel:
- Wenn der Staat die Tierhaltung nicht mehr hat mit Steuergeldern unterstützt und gegenüber anderen Branchen bevorzugt, herrschen echte Wettbewerbsbedingungen. Die Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen steigt, da diese günstiger sind.
- Was heute in Tierfutter landet, ließe sich auch zu menschlichen Lebensmitteln veredeln. Soja-Nebenprodukte taugen etwa als proteinreicher Zusatz in Lebensmitteln. Es lohnt sich jedoch nur unter fairen Marktbedingungen.
Ein weiteres Problem ist der große „Veredelungsverlust“ in der Tierhaltung. Tiere wandeln nur einen kleinen Teil des Futters in Milch oder Fleisch um. Der Rest wird zu Gülle.
Bei Rindern ist dieser Verlust besonders hoch. Deshalb steht die intensive Tierhaltung in der Kritik.
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Auch wenn nicht alle Menschen vegan leben, werden Tierprodukte in Zukunft wohl nur noch eine kleine Rolle spielen – und dabei viel teurer sein als heute.
Übrigens: Im Marketing sind viele Milchbauern fit. Doch es gibt Themen, über die sie weniger gerne sprechen. 4 unangenehme Fragen, die Milchbauern lieber nicht beantworten.
Wir haben den Artikel am 13.9.2026 überarbeitet.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig
