Kochbuch von Stefanie Hiekmann: Jeden Tag Gemüse

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Was ich an Salatbars so mag, ist, dass sie mir nach minimaler Anstrengung maximale Auswahl verschaffen und ich mich durch nichts als knackige Frische gabeln kann. Was ich an Salatbars nicht so mag, ist, dass dieses Vergnügen in der Regel seinen (hohen) Preis hat (und ich auch manchmal zu schnell wieder hungrig bin). Darum träume ich heimlich davon, in meinem Kühlschrank einen Anhänger einzurichten, um „Jeden Tag Gemüse“ zu haben. Ob mir Stefanie Hiekmann dabei hilft?

Stefanie Hiekmann (© Tobias Schwertmann)

Zumindest scheint sie die Sache unter dieser Überschrift einigermaßen ernst zu meinen: 150 vegetarische Rezepte und 350 Varianten verspricht allein das dynamisch-bunte Cover. Und Hiekmann (Foto links) ist, was Gemüseküche betrifft, alles andere als unerfahren: „Das Gemüsekisten-Kochbuch“ begeisterte bereits Valentinen-Kollegin Doris, und mit „Gemüse neu entdeckt“ brachte Hiekmann auch die grünen Lieblingsrezepte von Deutschlands Spitzenköch*innen heraus. Daneben kooperiert sie seit mehr als zehn Jahren mit den „Gemüsegärtnern“ aus Bramsche bei Osnabrück, für die sie nicht nur Rezepte entwickelt, sondern deren Ernte auf Fotos ins richtige Licht rückt (einige davon sind übrigens im Buch zu sehen).

Zum Weiterlesen:

Leseprobe des Verlags

Blog und Instagram der Autorin

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Gemüse für alle Lebenslagen

Auf diesem Nährboden hat sich „Jeden Tag Gemüse“ quasi von selbst gesät und geerntet … Pardon: verfasst, denn viele dieser Inhaltsstoffe finden sich darin wieder. Nach Grundsatzinfos zum Wie und Warum des Bandes, zu verschiedenen Gar- und Schnittmethoden für verschiedenes Grünzeug, haben allerdings auch zwei weitere von Hiekmanns Leidenschaften in eigenen Kapiteln Spuren hinterlassen: jene Zutaten, der gute Geschmack auf die Sprünge helfen („Geschmacksbooster“) – und kluges Kombinieren von Gewächsen und Gewürzen („Perfect Match“).

Die Gerichte selbst sind nach ihrer zentralen Darreichungsform sortiert, sodass es Gemüse „Aus der Pfanne“, „Aus dem Ofen“, „Aus dem Topf“, „Aus der Schüssel“ und „Auf die Hand“ gibt – sowie ein bisschen „Süßes“ und ein paar „Basics“ dahinter. Getrennt werden diese Abschnitte von Doppelseiten, auf denen Hiekmann je fünf schnelle Ideen für zehn verschiedene Gemüsesorten von A wie Aubergine bis Z wie Zucchini zusammengestellt hat. Gründlich!

Kochbuch von Stefanie Hiekmann: Jeden Tag Gemüse
Kochbuch von Stefanie Hiekmann: Jeden Tag Gemüse

Die eigentliche Akribie steckt allerdings in den Rezepten selbst, denn diese sind nicht nur allesamt von Hiekmann entwickelt, gestylt und fotografiert worden, sondern stets mit Hinweisen zum Zutatentausch versehen. Wer für den Ofengemüse-Riesenbohnen-Salat mit Rauchpaprika-Mayo beispielsweise keine Bohnen zur Hand hat, darf gern Kichererbsen nehmen; Wir sind die Pinienkerne für die Erbsen mit Burrata & Himbeeren ein bisschen zu kostspielig, verstreut stattdessen geröstete Mandeln, und wir haben die Pastinaken mit Aprikosen-Thai-Curry-Lack und Käse jenseits der Saison serviert, greift statt zu Pfirsichen zu Birnen. „Feel free!“, schreibt Hiekmann dazu eingangs: „Mit Gemüse zu kochen bedeutet: experimentieren. Es gibt keine starren Regeln.“ Stattdessen versteht sie ihre Gemüseküche wie ein großes Puzzle, bei dem man sich von einem Stück zum nächsten hangelt.

Super Salate & ein bisschen Sättigungsstreuung

Gefangen unter der Hitzeglocke des Sommers 2026 war mir nach entsprechender Bewegung eher nicht zumute, sodass ich mich vor allem im Salatkapitel aufgehalten habe („Aus der Schüssel“): Da lieferte der 10-Minuten-Rote-Bete-Salat mit Gurke & Dill einen soliden Einstieg, bevor sich die Sache über den Bauernsalat mit Bohnen & Halloumi mit einem tollen Pangrattato als Topping zum Nachkochfavoriten, dem Express-Kimchi-Salat mit Spitzkohl und Melone, steigerte. Zwar fand ich dessen Zubereitungszeit alles andere als ausdrucksstark, dafür gefiel die Zusammensetzung in Konsistenz und Geschmack umso mehr. Einzig die aufgerufene Portionsgröße hat für mich nur mit einer Proteinkomponente und einer zusätzlichen Beilage funktioniert.

Stefanie Hiekmann:

„Eine Einladung, Gemüse jeden Tag neu zu entdecken – und zwar als das, was es wirklich ist: aromatisch, bunt, vielseitig und überraschend. Klar, Gemüse ist gesund. Und ja, es ist absolut sinnvoll, jeden Tag Gemüse zu essen. Aber dieses Buch möchte dich in erster Linie nicht daran erinnern, was du »solltest«. Es möchte dich begeistern.“

Und das zog sich ein bisschen durch, denn Menge bzw. Das Sättigungspotenzial variierte bei den getesteten Rezepten durchaus: Sowohl das Ofen-Ragù mit Linsen & mediterranem Gemüse als auch das Massaman-Curry mit Spitzkohl & Kichererbsen gaben zum Beispiel jeweils wesentlich mehr her als die angegebenen vier Portionen. Ein solches „zu viel“ finde ich persönlich weniger schlimm, denn gute Reste wieder aus dem Kühlschrank ziehen zu können, ist schließlich mein erklärtes Ziel (siehe oben). Bedauerlicher ist es jedoch, wenn Sättigung und/oder Zufriedenheit unter einer solchen Streuung leiden (siehe oben).

„Jeden Tag Gemüse“ ist ein klassisches Alltagsküchenkochbuch: Hiekmann liefert nicht nur viele neue Ideen für unser tägliches Grün, die auch nach Feierabend noch funktionieren, sondern dazu eine gesunde Flexibilität Portion, wenn X gerade nicht zur Hand ist, stattdessen aber Y oder Z. Vielleicht gerät so nicht jedes Rezept zum neuen Liebling, aber Aufwand und Ertrag stehen stets in gutem Verhältnis. Und das ist manchmal schließlich alles, was man will.

Veröffentlicht im Oktober 2026

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