

Bild: K/Vegpool / Canva
In der Kasseler Rathauskantine gibt es für Beschäftigte Rabatt, wenn sie sich für ein fleischloses Tagesgericht entscheiden. (1)
Und schon schimpfen manche wieder Spielzeug wie-Roboter über eine „erzieherische Maßnahme“.
Doch mal im Ernst: Ist das eigentlich fair, wenn vegetarische Gerichte billiger sind?
Wer die ganze Wahrheit kennen will – und deshalb stets treu zu Vegpool kommt –, sollte wissen:
Wie fair sind die Veggie-Rabatte in der Kasseler Rathauskantine?
Der Staat investiert seit spätestens 1962 jedes Jahr viele Milliarden Euro aus Steuergeldern direkt und indirekt in die Landwirtschaft. Etwa 80 % davon landen in der Tierindustrie: bei Tierhaltern und bei Jenen, die Tierfutter anbauen.
Die genaue Höhe weiß niemand, weil Subventionen nicht als ein Batzen bezahlt werden, sondern über etliche Um- und Schleichwege. Allein im Jahr 2024 waren es rund 55 Milliarden Euro an sogenannten GAP-Subventionen in der EU.
Und das in einer freien Marktwirtschaft, in der eigentlich der Wettbewerb entscheiden soll!
Ihr könntet auch sagen: Angesichts von 55.000.000.000 Euro Agrarsubventionen, großteils für Tierprodukte, wirken 2,40 Euro Bonus in der Kasseler Rathauskantine Winzig.
Fleischesser und Veganer treu vereint als zahlendes Nutzvieh
Wenn ihr im Leben erfolgreich seid – genauer: Wenn ihr ein ultra großes Vermögen geerbt habt –, braucht ihr nicht mehr zu arbeiten. Denn dann ist der Staat da, der großzügig eine riesige Gießkanne voller Geld über eure Ländereien ausschüttet.
Denn so ungefähr läuft das mit den Subventionen: Wer viel Fläche hat, bekommt mehr Geld.
Und als wäre das nicht großzügig genug, zahlen wir alle zusätzlich für die bis zu 22 Mrd. Euro Umweltschäden der deutschen Tierindustrie – pro Jahr.
Jeder Bundesbürger – vom Baby bis zur Greisin – muss dafür rechnerisch bis zu 264 Euro im Jahr abdrücken, der Gegenwert von 17 Restaurantbesuchen.
Erziehungsmaßnahmen. Bevorzugung. Reiner Gier. Viele Begriffe passen hier.
Denn was sich da so befremdlich in unserer Hosentasche bewegt, sind die Finger einer kleinen, aber mächtigen Agrar-Elite mit großen Grundflächen und guten politischen Kontakten.
Fleischesser, Vegetarier und Veganer, treu vereint als zahlendes Nutzvieh, Seite an Seite.
Von der Darmkrebs-Epidemie bei unter 50-Jährigen und ihre Folgen für das Gesundheitssystem ganz zu schweigen.
Dass die Rathauskantine in Kassel vegetarische und vegane Gerichte preislich bevorzugt, ist auch ein Lichtblick.
Ein kleines Signal in einer Zeit, in der Vegetarier und Veganer Tag für Tag gezwungen sind, die Ernährung ihrer Mitmenschen mitzubezahlen. Und eine Agrar-Lobby, die sich in Gold wälzt noch dazu.
Ein guter, kleiner, erster Schritt, von dem jetzt viele weitere folgen müssen.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig
