
Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.
Im Sommer, wenn der Obstkorb immer voll ist, die Beeren im Garten prachtvoll heranreifen und auf den Märkten ein schier überwältigendes Angebot an frischem Obst zur Verfügung steht, dann heißt es, die Saison auszukosten. Kann man Obst aber auch mal neu denken? Statt Erdbeer-Biskuit vielleicht einen Salat mit Obst oder Kompott zu Fisch oder Fleisch? Sarah Johnson verspricht genau das mit ihrem Kochbuch „Kirschen, Quitten und Zitronen“: herzhafte Gerichte, süße Desserts und kulinarische Geschichten rund ums Obst. Ab in den Garten!
Der Weg zum ersten eigenen Kochbuch
Sarah Johnson (Fotolinks) hat ihre Kochkünste im renommierten Farm-to-Table-Restaurant „Chez Panisse“ von Alice Waters in Berkeley gegründet. Die Amerikanerin entwickelt heute Rezepte für das Heckfield Place Hotel in London, das auch einen eigenen biodynamischen Obst- und Gemüseanbau betreibt. Johnsons Weg wurde dabei geprägt von den Bauernhöfen, Obsthainen und Gärten sowie den Geschichten der Obstbauern und des Landes dahinter.
„Alles begann mit einer Feige“, schreibt sie. Bei dem Besuch eines Biohofes in Kalifornien war sie begeistert von den Summen der Bienen, den wilden Fenchelstauden, der Meyer-Zitronen-Baumallee und den knorrigen Feigenbäumen. Da geht auch mein Herz gleich mit auf, denn der Duft und Geschmack dieser aromatischen Zitronen prägte meine Zeit als High-School-Schülerin in Kalifornien.
Zum Weiterlesen:
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Ihr erstes eigenes Kochbuch feiert diese Vielfalt. In sieben Kapiteln stellt Johnson die verschiedenen Obstsorten und kleine Porträts von lokalen Obstbauern vor, dazu rundet ein Eingangskapitel, „Kochen mit Obst“, mit Grundrezepten das Werk ab. Insgesamt bietet das Kochbuch ca. 80 herzhafte und süße Gerichte. Von den vielen Zitrusfrüchten über „Stangen und Sträucher“ (Rhabarber, Johannis- und Stachelbeeren), Beeren, Stein- sowie Kernfrüchte, Obst aus Gärten und auch Trockenfrüchten stellt sie die in Kalifornien und England heimischen Früchte vor. Exoten wie Mango oder Ananas findet man daher hier nicht.

Tolle Bilder, Rezepte und Porträts
Fast jedes Rezept wird von einem stimmungsvollen Bild begleitet. Dazu gibt es Tipps zum Putzen der Beeren, Knacken der Aprikosenkerne für Noyaux (auch die Kerne innerhalb der Steine werden sparsam verwendet), Basisrezepte für Eiscreme, Vinaigrette oder geröstetes Obst. Außerdem listet Johnson ideale Kombinationen mit Nüssen, Gewürzen, anderen Früchten oder Getreide auf – wie beispielsweise Pfirsisch-Bourbon-Roggen oder Erdbeere-Kaffee-Ricotta. Das Kochbuch bietet neben den Rezepten Warenkunde und Küchentipps. Das ist ein toller Mix. Mein grünes Herz ist beglückt und darum geht es schnell ab in die Küche.
Rezepte im Praxistest
Da ich besonders neugierig auf die herzhaft-süße Küche war, war mein erstes Rezept ein Salat aus Nektarinen, grünen Bohnen, Mandeln und Feta. Fazit: Ein sommerliches Highlight, das ich nur jedem empfehlen kann, so simpel, doch köstlich und kreativ. Besonders der Hauch Anis ergänzt das Ganze stimmig und hebt das Gericht damit gleich auf das nächste Ebene.

Auch die gebratenen Entenbrüste mit Schwarzer-Johannisbeer-Sauce schmecken wunderbar, auch wenn es hier ein bisschen Kocherfahrung braucht, da kein Gewicht der Entenbrüste angegeben war, jedoch eine genaue Bratzeit. Die Makrele mit Stachelbeerkompott und Joghurt hätte ich zu gerne auch noch probiert, aber ich habe die Saison dazu wohl knapp verpasst (ist schon vorgemerkt für en nächsten Frühsommer …).
Noch üppiger ist natürlich die Auswahl an süßen Speisen: Von Tartes und Kuchen über Eiscremes, Parfaits und Sorbets bis zu Marmeladen, Kompotten und Getränken spannt sich hier der Bogen. Mein Favorit war die Schiacciata mit Kirschen. Das ist ein dezent süßes Hefefladenbrot, das am Vorabend angesetzt und am Morgen belegt und gebacken wird. Ein Hauch Fenchel, Olivenöl im Teig und obendrauf sowie einige Meersalzflocken sorgen für das gewisse Etwas.
Sehr interessant fand ich auch Johnsons Ansatz, Obst nicht direkt im Kuchen zu backen, sondern ZUM Gebäck zu reichen: wegen unterschiedlicher Garzeiten und damit der Teig nicht matschig wird, aber auch damit bis zum Schluss genug Obst vorhanden ist. Gefällt mir.
Sarah Johnson:
„Ehrliches Kochen beginnt mit frischen, schmackhaften Zutaten. Wenn Sie die Zutaten vorher probieren, können Sie jedes Gericht problemlos verbessern. Bei Früchten sollten Sie unbedingt Reifegrad und Aroma testen.“
Kreatives Chaos – Wenn die Rezeptreihenfolge herausfordert
Die Reihenfolge der Rezepte finde ich ein wenig abenteuerlich. Ein Beispiel: Eiscremes, Cake, Salatdressing, Huhn, Sorbet, Marmelade, Kuchen, Wolfsbarsch, Salat, aromatisierter Wein finden sich so im Kapitel Zitrus. Hier halb mir das ausführliche Inhaltsverzeichnis weiter, da alle Rezepte sowohl unter der Obstsorte als auch alle Kuchen, Fischgerichte, Konfitüren oder Sorbets noch mal gruppiert aufgelistet sind.
Wie gesagt, etwas Kochexpertise ist hilfreich, da zwar schon viele detaillierte Angaben gemacht werden, aber beispielsweise beim Kompott (wie schon bei den Entenbrüsten) keine Menge angegeben wird, aber dann die Menge an Wasser mit 3-4 cm über dem Boden keine wirkliche Relation hergibt (und bei mir somit zu wässrig ausfiel).
„Kirschen, Quitten und Zitronen“ von Sarah Johnson ist ein wundervolles Kochbuch mit kreativen und für mich zum Teil auch neuen Ansätzen. Es ist auch eine Hommage an die Menschen und deren Arbeit, die sie heranziehen. Für jeden:n Wochenmarkt-Besucher:in und jeden:n Gartenbesitzer:in ist das Kochbuch mit seiner Warenkunde eine Bereicherung. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Saison im Herbst, wenn die Äpfel, Birnen, Pflaumen und Trauben sich in Salate, Kürbissuppe oder Sauce zu Schweineschulter verwandeln.
Veröffentlicht im Oktober 2026

