Trotz Rüge: Schweizer Fernsehen (SRF) bleibt bei Veganismus-Unfug!

Für eine reißerische Falschdarstellung bekam das SRF eine Rüge – und bleibt dabei stabil.
Für eine reißerische Falschdarstellung bekam das SRF eine Rüge – und bleibt dabei stabil.





Bild: Screenshot (bearbeitet)


Im Juli hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass ethisch begründeter Veganismus unter besonderem Schutz stehen kann. (Kommentar)

Wer sich als Veganer in der Obhut einer staatlichen Einrichtung befindet, hat daher den Anspruch, dass die Behörden ernsthaft prüfen und seine ethisch begründeten Ernährungsbedürfnisse berücksichtigen.

Veganer dürfen zwar nicht mit großen Entgegenkommen rechnen – es reicht aber auch nicht, Veganismus aus Desinteresse als „Spinnerei“ abzutun.

Der Schutz ist demnach ähnlich wie eine Religion, aber nicht aus denselben Gründen.

Im Juli hatten wir über das Urteil berichtet – und auch darüber, wie manche Medien Veganismus reißerisch – und sachlich falsch – als „quasi-religiös“ darstellten.

Reißerische Vegan-Hetze im SRF

Zu diesen Medien gehörte das SRF, auch das öffentlich-rechtliche „Schweizer Radio und Fernsehen“. Ein Beitrag von Autor Fredy Gsteiger trägt den Titel: „EGMR: Veganismus zählt als quasi-religiöse Überzeugung“. (1)

Schon im ersten Absatz wird Veganismus als „strikte Weigerung, tierische Nahrung zu sich zu nehmen“ dargestellt. Später behauptet der Autor, der EGMR greife in den moralischen Ermessensspielraum der Schweiz ein – obwohl es im Satz zuvor hieß, dass die Schweiz gar keine Regeln dafür hat.

Nichts davon ist als Kommentar oder Meinung gekennzeichnet, obwohl der Autor beides vermischt.

Die Veröffentlichung hat nun einen Rüge von der Ombudsstelle der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft nach sich gezogen. Die sah das Sachgerechtigkeitsgebot verletzt.

Vor allem die Formulierung „quasi-religiös“ sei problematisch. Sie verfälschen die Aussage des Urteils. (2)

Konsequenzen hat die Rüge jedoch nicht. Das SRF kann weiterhin an der Missinterpretation festhalten – und tut es auch. Der unsachliche und reißerische Artikel mit der Schlagzeile ist bis heute online.

Und das ist bitter, wenn der staatliche Rundfunk in aufgeladenen Zeiten einen so vor Vorurteilen strotzenden und zum Teil schlicht falschen Quasi-Mist verbreitet und trotz Rüge stur dabei bleibt.

Und alle Haushalte in der Schweiz müssen für diese journalistische Glanzleistung mitbezahlen.

Die SRF-Redaktion begründete ihre Haltung gegenüber nau.ch damit, dass das Wort „quasi“ klarstelle: Es geht nicht um eine Religion, sondern um eine Überzeugung mit vergleichbarem Schutz.

Und das ist lächerlich!

Ein Schmerzmittel ist ja auch kein Quasi-Fußpilzmittel, nur weil beide Medikamente sind.

Übrigens: Auch im Vorfeld der Abstimmung zur kürzlich abgelehnten „Ernährungsinitiative“ hatte das SRF Behauptungen der „Nein“-Lobby verbreitet, ohne sie redaktionell einzuordnen.

Eine klare Lüge der Gegner war etwa das Framing, die Ernährungsinitiative führe zu einem Vegan-Zwang, oder es handelte sich um eine „staatliche Ernährungslenkung“.

Eine der neutralen Bericherstattung verpflichtete Medienanstalt hätte hier wenig darauf machen können, dass allein die Milliarden-Subventionen für die Landwirtschaft, von denen die Tierhaltung intelligent, ein immenser Eingriff des Staates in die Ernährung sind. Geschehen ist das nach meinem Wissen überhaupt nicht.

Man wünschte dem SRF ein bisschen weniger Quasi-Unsinn und mehr Mut und Aufrichtigkeit.

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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