Studie: Staat verliert 4 Mrd. Euro durch MwSt.-Geschenke für Tierprodukte

Weniger MwSt. auf Obst und Gemüse macht eine gesunde Ernährung lukrativer – und spart der Allgemeinheit Geld.





Bild: K/Vegpool / Canva


Auf ein Kilo Hackfleisch zahlt man 7 Prozent Mehrwertsteuer – auf Haferdrink jedoch 19 Prozent.

Der Staat verzichtet bei Tierprodukten ebenfalls auf 12 Prozent Steuern. Was kostet uns das als Gesellschaft? Und wie könnte man diese Ungerechtigkeit lösen?

Ein neuer Bericht hat die Kosten berechnet: 4,056 Milliarden Euro im Jahr 2024! Er schlägt vor, die Mehrwertsteuersätze neu zu regeln.

Was der Klima-Subventionsbericht 2026 untersucht

Der „Klima-Subventionsbericht 2026“ listet auf, welche klimaschädlichen Subventionen es in Deutschland gibt. Erstellt hat ihn das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. (1)

Der Bericht prüft 45 Regelungen zu staatlichen Subventionen. 30 davon sind als eindeutig klimaschädlich ein, 15 als teilweise klimaschädlich.

Zusammen summieren sie sich für 2024 auf 66,2 Milliarden Euro. Das entspricht gut 14 Prozent des Bundeshaushalts. Um die Interessengruppen in Deutschland müssen wir uns auch keine Sorgen machen.

Der größte Teil entfällt auf den Verkehr mit 31,3 Milliarden Euro, gefolgt von der Energiewirtschaft mit 26,4 Milliarden.

Auf Land- und Forstwirtschaft entfielen 8,5 Milliarden Euro, rund 13 Prozent.

Die Subvention begünstigt nicht gezielt Produkte des Grundbedarfs, emissionsintensive tierische Produkte werden begünstigt. Somit hat die Subvention eine klimaschädliche Lenkungswirkung. Klima-Subventionsbericht 2026

Ermäßigte Mehrwertsteuer auf Tierprodukte kostete Allgemeinheit 4.056 Milliarden Euro

Nach den EU-Agrarzahlungen ist die ermäßigte Mehrwertsteuer auf tierische Lebensmittel der größten Posten im Agrarbereich. Für Fleisch, Fisch und Milcherzeugnisse summieren sich die fehlenden Steuereinnahmen für 2024 auf 4.056 Milliarden Euro. (1)

Gemeint ist der Abstand zwischen 7 und 19 Prozent. Diese 12 Prozentpunkte entgehen dem Staat bei jedem Einkauf im Supermarkt. Und damit uns als Gesellschaft.

Im offiziellen Subventionsbericht der Bundesregierung taucht dieser Posten nicht auf. Das Bundesfinanzministerium stuft die Ermäßigung als „systemkonform“ ein und nicht als Steuervergünstigung. Der Klima-Subventionsbericht führt sie jedoch klar als Subvention.

Warum auf Tierprodukte nur 7 Prozent Mehrwertsteuer anfallen

Den ermäßigten Umsatzsteuersatz gibt es seit 1968, heute liegt er bei 7 Prozent. Der Staat wollte tierische Nahrungsmittel kostengünstig halten.

Damals war noch nicht bekannt, dass rotes Fleisch krebserregend ist. Ganz zu schweigen von den Folgekosten für die Gesellschaft. Fleisch, Fisch und Milch stehen seither auf der begünstigten Liste.

Getränke fallen dagegen unter den regulären Satz. Ausgenommen sind Leitungswasser, Milch und bestimmte Milchmischgetränke. Deshalb zahlt ihr auf Hafer- und Sojadrinks 19 Prozent und nicht 7. (2)

Der Staat bevorzugt Kuhmilch auch abseits der Mehrwertsteuer, wie neun krasse Beispiele zeigen.

Wie die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel neu gestaffelt werden könnte

Der Bericht schlägt vor, die Steuersätze neu zu staffeln. Tierische Lebensmittel kämen auf 19 Prozent, gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse auf 0 Prozent.

Pflanzliche Grundnahrungsmittel blieben bei 7 Prozent. Dazu zählen auch pflanzliche Alternativen zu Fleisch und Milch. (1)

Lebensmittel Heute Vorschlag
Fleisch, Fisch, Milcherzeugnisse 7 % 19 %
Obst und Gemüse 7 % 0 %
Pflanzliche Grundnahrungsmittel 7 % 7 %
Pflanzendrinks (Hafer, Soja und andere) 19 % 7 %

Unterm Strich rechnet das FÖS mit Mehreinnahmen von rund 0,5 Milliarden Euro im Jahr. Die Kosten für den Verbraucher blieben ungefähr gleich. Wer sich gesund ernährt, qualifiziert mehr.

Nach dieser Rechnung wäre die Reform für den Staatshaushalt sogar ein kleinerer Gewinn. (1)

Geht man nicht nur nach Steuereinnahmen, sondern berücksichtigt auch ökologische Folgeschäden (die ihrerseits Kosten verursachen), dann ist die Rechnung noch deutlicher!

Wie viel CO₂ die Reform einsparen würde

Der Bericht zitiert eine Modellrechnung, derzufolge der reguläre Steuersatz auf tierische Lebensmittel rund 2,12 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr einsparen könnte.

Zum Vergleich: Deutschland setzte 2024 rund 650 Millionen Tonnen Treibhausgase frei. Die Einsparung beträgt etwa 0,3 Prozent. (3)

CO₂-Äquivalente fassen die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase in einer Einheit zusammen. So lassen Sie sich Methan aus der Rinderhaltung und CO₂ aus dem Auspuff vergleichen.

Senkung der MwSt. auf Obst und Gemüse

Das FÖS ist mit dem Vorschlag nicht allein. Umweltbundesamt, der wissenschaftliche Beirat des Landwirtschaftsministeriums und die Zukunftskommission Landwirtschaft empfehlen seit Jahren, tierische Produkte höher und pflanzliche niedriger zu besteuern. (4)

Dazu kommen Kosten, die nicht auf dem Kassenbon stehen. Die konventionelle Tierhaltung verursacht in Deutschland Umweltschäden von bis zu 22 Milliarden Euro im Jahr, berechnet vom Institut CE Delft. (5)

Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf tierische Produkte ist daher keine Lösung, sondern allenfalls ein erster Schritt. Der Handel könnte sich einen Teil davon durch Preiserhöhungen einverleiben.

Die EU-Subventionen sind der größte Hebel. Denn hier fließen viele Milliarden Euro direkt und indirekt in die Erzeugung von Tierprodukten – bezahlt aus Steuergeldern.

Jeder Steuerzahler zahlt auch mit, damit Tierprodukte an der Kasse günstig erscheinen.

Auch Flexitarier, Vegetarier und Veganer finanzieren eine ungesunde und umweltschädliche Ernährung mit. Auch dann, wenn sie selbst keine oder nur wenige Tierprodukte essen.

Wie groß die Umweltfolgen insgesamt sind, zeigt eine Studie zu den wahren Kosten von Tierprodukten.

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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