Kochbuch von Sibylle Sturm: Langlebigkeit

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Was soll ich sagen. Auch ich komme langsam in das Alter, in dem man das zweite Glas Wein am nächsten Morgen merkt, üppige Sahnesaucen plötzlich zu viel sind und gesundes Essen nicht mehr bäh, sondern eigentlich ganz lecker ist. In dem eine ausreichende Proteinzufuhr und Ballaststoffe nicht mehr bloßer Hype sind – und 30-Pflanzen-Zählen macht es irgendwie sogar ein bisschen Spaß.

Langlebigkeit in der Küche

Langlebigkeit – auf Englisch Langlebigkeit – ist in aller Munde. Dabei handelt es sich nicht um eine Ernährungsweise, sondern dahinter steht der Grundgedanke, länger gesund zu leben. Dazu gehören u. A. viel Bewegung, wenig Alkohol, ausreichend Schlaf und: eine nährstoffreiche Ernährung.

Sibylle Sturm (© Tarik Calgici)

Auch Sibylle Sturm (Foto links), so erzählt sie im Vorwort, treibt schon länger die Frage um, wie man möglichst lange voller Energie körperlich und geistig fit bleiben kann. Wechseljahre, Muskelabbau und Gewichtszunahme erfordern eine veränderte Ernährung, doch gesund, lecker, nährstoffreich und vegan sollte sie möglichst sein.

Wenn ich mir die eigene Ernährung anschaue, dann geht es mir ähnlich. Eher unbewusst koche ich häufig vegan, greife vermehrt zu Vollkorn und esse viel Gemüse. Einfach weil es mir besser schmeckt und irgendwie auch guttut. Daher ist die Vorfreude auf ein Buch mit genau solchen Rezepten bei mir groß.

Gesunde Alltagsrezepte

Nach einem Einleitungsteil, in dem auch die Ernährungswissenschaftlerin Maria Loos zu Wort kommt, erläutert die Autorin sehr prägnant die Grundprinzipien ihrer Ernährungsphilosophie. Spannend finde ich die Liste ihrer persönlichen 31 Superfoods, zu denen auch Endivien und Rosenkohl gehören. Unterteilt ist das Buch dann eher unkonventionell in den Kapiteln Herzhaftes, Gut vorbereitetes und Süßes.

Zum Weiterlesen:

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Nicht alles bekommt direkt ein Nachkoch-Post-it von mir. Bei Reispfanne mit braunen Linsen & Bohnen, Rüblischnitten oder Linsenbällchen zündet nicht sofort meine Begeisterung. Wir nähern uns langsam an, doch sobald die ersten Rezepte nachgekocht sind, bin ich schnell ziemlich angetan. Wie gut sind bitte die Satay-Nudeln mit Brokkoli und Erdnusssauce oder auch der geröstete Rosenkohl mit Birne und Haselnuss?! Das hat nichts gemein mit angestaubter Ökoküche, sondern ist einfach lecker. Dabei sind die Rezepte oft gar nicht aufwendig. So werden bei Letzterem der Rosenkohl und die Birnenschnitze einfach mit Olivenöl, Salz und Pfeffer gewürzt, und ab in den Ofen damit. Es folgen die Haselnüsse, und in der Zwischenzeit püriere ich schnell die Zutaten für einen Kichererbsen-Hummus.

Kochbuch von Sibylle Sturm: Langlebigkeit
Kochbuch von Sibylle Sturm: Langlebigkeit

Mir haben es besonders die Salate des Buchs angetan, sie eignen sich prima für ein spätes Frühstück oder als Meal Prep für ein leichtes Mittagessen im Büro. So lässt sich das Erdnuss-Dressing bspw. gleich in größerer Menge für verschiedene Gerichte vorbereiten. Und Quinoa, Hülsenfrüchte oder Rotkohl schmecken auch noch nach einer Nacht im Kühlschrank.

Zutaten und Gestaltung

Auch die Zutaten der Rezepte sind kein Hexenwerk, das kennt man alles oder hat es ohnehin zu Hause. Was mir allerdings auffällt, ist, dass es noch weitere ähnliche Zutaten und wiederkehrende Kombinationen gibt. Das geht aber vielleicht auch nicht anders, wenn die optimalen Nährwerte eines Gerichts im Fokus der Rezeptentwicklung stehen. Man sollte Hülsenfrüchte und Co. auch schon mögen. Die Gerichte selbst sind nicht durchweg großartige kulinarische Kreationen, sondern eher gute Alltagsrezepte, die sich auch in vollere Tage integrieren lassen. Rezepte, die zunächst nicht viel aussehen, aber dann doch ziemlich lecker schmecken und einfach gut funktionieren.

Sibylle Sturm:

„Die meisten Menschen verbringen ihre letzten acht bis zehn Jahre bei schlechterer Gesundheit – oft sogar pflegebedürftig. An den eigenen Eltern sieht man, wie der letzte Lebensabschnitt sein kann, und da stellt sich die Frage: Was kann ich tun, um möglichst lange geistig fit und körperlich beweglich zu bleiben?“

Sehr nützlich finde ich die kleinen Nährwert-Tabellen zu jedem Gericht, in denen Kalorien, Ballaststoffe, Proteine ​​etc. gelistet werden. Außerdem gibt es kleine Icons, die ein Rezept als bspw. proteinreich oder Meal-Prep-geeignet klassifizieren. Auch die paar Zeilen zu den Benefits unter den Rezeptfotos finde ich prima. Das fühlt sich doch gleich viel besser an, wenn ein Essen nicht einfach nur schmeckt, sondern „eine ausgewogene Mischung aus komplexen Kohlenhydraten, pflanzlichem Protein und gesunden Fetten“ bietet. Apropos Fotos: Die Rezepte sind alle in einer sehr stringenten Bildsprache bebildert, da werden die fertigen Gerichte auf hellgrauem Hintergrund appetitlich in den Mittelpunkt gestellt.

Kurzum, das ist ein prima Buch für alle, die nicht nur kochen, um satt zu werden, sondern die sich lecker und gesund ernähren wollen. Sibylle Sturm inspiriert mit Rezepten, die schmecken und sich gut in den Alltag integrieren lassen. Ich finde sogar: Diese Rezepte beeinflussen das eigene Kochverhalten – selbst dann, wenn man nicht mehr aus dem Buch kocht.

Veröffentlicht im September 2026

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