Kochbuch von Carol Waithira Mühlenbrock: African Comfort Food

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Kulinarisch gibt es in der afrikanischen Küche noch viel für mich zu entdecken. Meine Kenntnisse beschränken sich jedoch überwiegend auf den Maghreb, Ägypten und den Sudan. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass diese Länderküchen auch in der europäischen Gastronomielandschaft schon länger gut vertreten sind. Und ich bin bisher auch nur in wenigen Ländern Afrikas selbst touristisch gereist. Mit „African Comfort Food“ von Carol Waithira Mühlenbrock verspreche ich mir nun, einen weiteren kleinen Teil des riesigen Kontinents kulinarisch ein Stück weit zu erschließen.

Kochbuchautorin Carol Waithira Mühlenbrock (© Christian Schmitt)

In ihrer Einleitung beschreibt Carol Waithira Mühlenbrock (Foto links), wie sie selbst zum Kochen kam und wie die Küche der Ort wurde, an dem sie sich am meisten zu Hause fühlt. Der Ort, an dem sie beim Kochen tanzt und Essen zubereitet, das mehr sein soll als lecker und sättigend, das verbinden und die Seele berühren soll.

Karibuni!

Das bedeutet auf Swahili „Herzlich willkommen“. Es war die Begrüßungsformel in ihrem Schermbecker Restaurant, das die dort ansässige Kenianerin im Februar dieses Jahres schweren Herzens geschlossen hat. Man ahnt, welchen Tribut das Betreiben eines Restaurants fordert, wenn man wie sie das Geschäft mit dem Ehemann betreibt und auch noch Kinder großziehen möchte. Auf ihrer Website lese ich jedoch, dass die eifrige Unternehmerin schon längst an weiteren Plänen schmiedet und neben ihrem Podcast und YouTube-Channel bereits an weiteren Kooperationen arbeitet, um mit ihrer Kochkunst gemeinsam das Leben zu feiern.

Zum Weiterlesen:

Webseite und Instagram der Autorin

Mehr Kochbücher zur afrikanischen Küche bei Valentinas

Von Streetfood bis Süßspeisen

Und dann gibt es ja auch ihr im riva Verlag erschienenes Buch, in dem sie auf etwas mehr als 200 Seiten eine schöne Auswahl von 80 Rezepten zusammengestellt hat. Sie verteilen sich auf die Kapitel „Streetfood“ (Samosa, frittierte Kochbanane uvm.), „Salate, Dressings und Dips“ (etwa Kachumbari oder Rote-Bete-Mango-Salat), „Suppen, Currys und Eintöpfe“ (z. B. Süßkartoffel-Spitzkohl-Eintopf, Ananas-Curry), „Fisch und Fleisch“ (wie Gebratene Forelle mit Gemüse oder Nuss Erdhähnchen aus dem Backofen), „Beilagen“ (Ugali, Kenianisches Fladenbrot) und „Süßspeisen“ (Cashewkern-Süßkartoffel-Creme oder Avocado-Dattelcreme mit Kaffee und Kardamom stehen hier z. B. noch auf meiner Nachkochliste).

Kochbuch von Carol Waithira Mühlenbrock: African Comfort Food
Kochbuch von Carol Waithira Mühlenbrock: African Comfort Food

Ich bin überrascht, dass es kein Kapitel zu den „Pantry Staples“ gibt, die es für die kenianische Küche braucht – vermute ich doch, dass ich einige vielleicht erst noch „jagen“ muss. Beim Blättern durch die Rezepte erkenne ich dann jedoch schnell, dass hier weder außergewöhnliche Gewürzmischungen noch schwer zu bekommende Fleisch- oder Fischsorten eine Rolle spielen. In vielen Rezepten werden Cayennepfeffer und „Curry-Gewürzmischung“ benötigt und ich habe für Letzteres eine milde Mischung aus dem Bioladen verwendet. Mich stört dieser Pragmatismus nicht und er ist mir auch schon in einigen anderen (französischsprachigen) afrikanischen Kochbüchern begegnet, wo gerne mit dem „Cube d’Or“ gewürzt wird.

Vertraute Zutaten, ungewohnte Kombinationen

Die Rezepte, die allesamt hübsch fotografiert sind, sprechen mich auf jeden Fall sehr an. Oft sind es ungewöhnliche Kombinationen, die den Reiz ausmachen, wie etwa bei der Hokkaido-Kürbiscremesuppe, die dank pürierter frischer Ananas einen ganz ungewohnten Twist hat. Oder der Dattelsalat mit eingelegten roten Zwiebeln. Meine Datteln waren vermutlich nicht trocken genug, da sie nach dem Einweichen doch sehr matschig waren. Das war aber gar nicht schlimm, so hat der Salat, der mit einer harmonischen Balance aus süß und pikant überzeugt, auch wunderbar als Relish zu allerlei Gerichten gepasst.

Carol Waithira Mühlenbrock:

„Ich wünsche dir, dass du beim Nachkochen dieser Rezepte – ob allein oder mit deinen Lieblingsmenschen – die Musik laut aufdrehst, ein bisschen tanzt, den Zwiebeln Zeit gibst, schön braun zu werden, eine Knoblauchzehe mehr nimmst, als im Rezept steht, und beim Cayennepfeffer nicht zu zaghaft bist. Ich verspreche dir: So entstehen Erinnerungen fürs Leben.“

Sehr lecker und spannend für mich war auch das Maniok-Curry, Mihogo, da ich mit Maniok noch nie gekocht habe. Der kleine Spezialitätenhändler um die Ecke hat sie immer vorrätig, nun habe ich sie endlich mal gekauft. Und der Bulgur, der zunächst mit sehr vielen Gewürznelken und Zimt gekocht wird, dann aber noch ein paar weitere Minuten in einem zweiten Topf in heißer Kokosmilch mit Ingwer, Zwiebel, Knoblauch, Curry und Cayennepfeffer zum Ende gegart wird, war wirklich cremig und fein.

Wie beim Bulgur habe ich auch von einigen anderen Rezepten nur die Hälfte zubereitet, da es für uns sonst zu viel gewesen wäre (etwa vom Joghurt-Curry-Dressing, für das die normale Zutatenmenge 750 ml Dressing ergeben würde). Aber nicht alle Rezepte sind so üppig bemessen, bei vielen sind es die gewohnten Mengen, die man z. B. für ein 4-Portionen-Gericht erwartet.

Wer die kenianische Küche nicht kennt, wird sich an manchen Stellen fragen, wie die Gerichte am besten zusammenpassen oder wie man ein stimmiges Menü zusammengestellt hat. Hinweise dazu – welche Beilagen sich empfehlen oder welche Rezepte gut miteinander harmonieren – fehlen im Buch weitgehend. Das finde ich schade.

„African Comfort Food“ ist ein einladendes Kochbuch für alle, die die kenianische Küche entdecken möchten, ohne dafür in Spezialitätenläden auf Zutatensuche gehen zu müssen. Autorin Carol Waithira Mühlenbrock setzt auf zugängliche Zutaten und ungewohnte Kombinationen, die trotzdem – oder gerade deshalb – überraschen. Das Buch ist kein zyklopädisches Werk über die afrikanische Küche, sondern eine persönliche Einladung in die Küchenwelt einer Kenianerin, die in Deutschland lebt und kocht. Wer kulinarisch neugierig ist und gerne neue Geschmackswelten erkundet, ist hier genau richtig – Vorkenntnisse braucht es keine, und wer bisher wenig Berührungspunkte mit der kenianischen Küche hatte, findet hier einen der wenigen deutschsprachigen Einblicke in sie.

Veröffentlicht im September 2026

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